Staatsministerin a.D. Sylvia Löhrmann

Ausstellung „Jüdisches Leben“: Die Sache mit den gepackten Koffern

Einst war sie Vize-Ministerpräsidentin von NRW, jetzt kam Sylvia Löhrmann für den Verein „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ nach Waltrop und eröffnete eine Ausstellung.
Gemeinsam mit Waltrops Bürgermeister Marcel Mittelbach und Gerda E.H. Koch (r.) eröffnete Sylvia Löhrmann (M.) die Wanderausstellung "Jüdisches Leben in Deutschland" im Waltroper Rathaus. © Meike Holz

Im Jahre 321 schrieb es Kaiser Konstantin in ein Edikt: Juden dürfen ab sofort auch Ämter im Kölner Stadtrat bekleiden. Das wird allgemein als der Zeitpunkt betrachtet, ab dem erwiesenermaßen und „verbrieft“ jüdisches Leben in Deutschland existierte. 1700 Jahre später wird das in ganz Deutschland gefeiert – auch in Waltrop. Die Staatsministerin a.D. und jetzige Generalsekretärin des Vereins „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, Sylvia Löhrmann, kam dafür eigens in die Hebewerkstadt. Denn im hiesigen Rathaus ist seit Montag (13. 9.) die Ausstellung „Jüdisches Leben im Vest Recklinghausen“ zu sehen. Und an der haben Waltroper kräftig mitgewirkt.

Ausstellung bis 22. Oktober im Waltroper Rathaus

Genau so ist die Ausstellung, die die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kreis Recklinghausen entwickelt hat, auch zu verstehen: Sie ist noch im Werden, während sie durch die Städte des Vests reist. Gerda E. H. Koch aus der Geschäftsführung der Gesellschaft sagte bei der Eröffnung, Daten, Zahlen und Fakten zum jüdischen Leben zu kennen, sei ja ein guter Hintergrund. Aber zu wissen: Was ist eigentlich vor Ort passiert? Was bedeutet(e) jüdisches Leben in meiner Stadt? Welche jüdischen Mitmenschen haben hier gelebt? Welche Familiengeschichten gibt es? Das sei das Andere. Wenn man die Mechanismen durchschaue, wie einst über Nacht aus Nachbarn Feinde wurden, dann könne man heute solche Tendenzen früher erkennen.

Sylvia Löhrmann, ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen und jetzige Generalsekretärin des Vereins „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, trug sich auch ins goldene Buch der Stadt Waltrop ein. © Meike Holz © Meike Holz

Aus Gesprächen, die sie mit Juden geführt hat, stellt sich für Gerda E.H. Koch die Situation so dar: Die Koffer sind ausgepackt, viele jüdische Mitmenschen haben in Deutschland ihre Heimat gefunden. Aber aktuell sei es schon so, dass mancher sage: „Ich gucke mal lieber, wo mein Koffer steht.“ „Wir müssen alles daransetzen, dass die Koffer ausgepackt bleiben können“, sagte Gerda E.H. Koch.

Unter denen, die die Ausstellung (noch bis 22.10. zu sehen) als Erste in Augenschein nahmen, waren auch einige, die daran mitgewirkt haben. Dorothee Schomberg etwa, deren verstorbener Mann Karl-Heinz unzählige Informations-Puzzlestücke über jüdisches Leben in Waltrop zusammengetragen hatte. Oder der ehemalige Stadthistoriker Reinhard Jäkel – er unterstützte auch Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums dabei, sich mit einzelnen jüdischen Familien zu befassen. So beschäftigt sich eine Tafel der Wanderausstellung damit, was der Familie Baum vom einstigen Waltroper Textilfachgeschäft „Stern und Baum“ widerfuhr.

Löhrmann betont: Mehr Nachhaltigkeit

Vieles im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben“ habe man „nur“ digital veranstalten können, sagte Sylvia Löhrmann, während sie sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Doch das Gute sei, dass so eine viele größere Nachhaltigkeit erzeugt werde, als wenn alles in Präsenz stattgefunden hätte.

Der Abend in Waltrop

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