Verwirrung bei Wahl

Behindertenbeirat: Waltroperin mit Handicap ist jetzt Vorsitzende

Erstmals bilden Behinderte selbst die erste Riege des Gremiums. Nach etwas Verwirrung und im zweiten Anlauf wurde die geistig behinderte Vanessa Kahlenberg zur Vorsitzenden gewählt.
In puncto Barrierefreiheit gibt es nach wie vor viel zu tun. Der Behindertenbeirat der Stadt Waltrop vertritt die Interessen von Menschen mit Behinderung. © picture alliance/dpa

Seit 2013 gibt es in Waltrop einen Behindertenbeirat, der die Interessen von Menschen mit Handicap in den Fachausschüssen, im Rat und in der Öffentlichkeit vertritt. Jetzt hat sich das Gremium neu aufgestellt. Und: Erstmals bekleiden Behinderte selbst die erste Riege des Beirats. So hatte es der Stadtrat gewünscht und dementsprechend eine neue Satzung für den Beirat aufgestellt.

Verwirrung bei der Wahl zum Vorsitzenden

In der konstituierenden Sitzung in der Stadthalle, in der sich der Behindertenbeirat jetzt neu formiert hat, kam es dann aber zu einigen Irrungen und Wirrungen rund um den Vorsitz, wie Melanie Heiber (FDP) berichtet. So sei Karl-Heinz Böhm (SPD) von einem Betroffenen als Vorsitzender vorgeschlagen worden. Auch die behinderte Vanessa Kahlenberg hatte Interesse an dem Vorsitz angekündigt. Es folgte eine Abstimmung, bei der Böhm ins Amt gewählt wurde. „Dann hab ich mich zu Wort gemeldet und gefragt, warum denn überhaupt darüber abgestimmt wird“, erzählt Heiber.

Neue Satzung sieht vor, dass Behinderte zum Zug kommen

Schließlich sehe die neue Satzung vor, dass beim Vorsitz vorrangig ein Mensch mit Behinderung zum Zug kommen soll. Findet sich niemand, wären zunächst die Vertreter der Behindertenverbände an der Reihe, dann erst die politischen Vertreter. Die Wahl sei dann zurückgenommen worden. Vanessa Kahlenberg, die geistig behindert ist, wurde daraufhin einstimmig zur Vorsitzenden gewählt. Den stellvertretenden Vorsitz habe Karl-Heinz Böhm im Nachgang abgelehnt, diesen Posten bekleidet jetzt Melanie Heiber selbst.

Unterstützung für die Ausübung des Amtes

„Ich finde es sehr gut, dass eine Betroffene Vorsitzende ist“, sagt Heiber. Sie könne bei der Ausübung des Amtes auch auf Unterstützung von der Verwaltung zählen.

Im Behindertenbeirat ist nach Auskunft der Stadtverwaltung zudem der blinde Matthias Rupieper als stimmberechtigtes Mitglied neu dabei, seine Vertreterin ist Franziska Fleitmann, die stark sehbeeinträchtigt ist. Auch Jessica Ochs, die eine psychische Erkrankung hat, gehört jetzt zum Gremium dazu und ist stimmberechtigt.

Weitere stimmberechtigte Mitglieder sind: Friedhelm Schroer, Julien Corzillius (Leiter der Diakonie-Werkstatt Waltrop), Julia Rohe (Lebenshilfe), Silke Bartel (SovD).

Beratende Mitglieder ohne Stimmrecht sind: Karl-Heinz Böhm (SPD), Melissa Groß (Bündnis90/Die Grünen), Michael Finke (Waltroper Aufbruch), Melanie Heiber, stellvertretender Vorsitz, (FDP) und Lucas Klink (CDU). Letzterer war bei der Sitzung in der Stadthalle nicht anwesend. Die nächste Sitzung des Behindertenbeirats findet im Juni statt.

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