Innenstadt

CDU und FDP in Waltrop erklären „Poller-Experiment“ für gescheitert

Seit Montag (10. Mai) ist die Durchfahrt vom kleinen auf den großen Marktplatz versperrt. Testweise, für 14 Tage. CDU und FDP aber fordern: Baut die Sperre so schnell wie möglich wieder ab!
Die Stadt Waltrop hat nach einer entsprechenden Rats-Entscheidung die Durchfahrt zwischen Stadthalle und der Nord-Bebauung am Marktplatz gesperrt. CDU-Ratsmitglied und stellvertretende Bürgermeisterin Anja Kuhnert und Dr. Heinz Josef Mußhoff (FDP) würden die Absperrung am liebsten beiseite schieben. © Meike Holz

Eigentlich war dies der Plan: An der Marktplatz-Ausfahrt zum Moselbach wird ein Linksabbieger geschaffen. Gleichzeitig wird der Durchgang vom großen Marktplatz – also dem Areal vor der Stadthalle – und dem kleinen Marktplatz, der an die Bahnhofstraße grenzt, gesperrt. Doch das fand keine politische Mehrheit, und so ist nun testweise erstmal nur die Sperrung umgesetzt worden.

Das aber bringt mit sich, dass man mitunter weite Wege zurücklegen muss – dann nämlich, wenn man vom Marktplatz aus in den Norden oder Westen der Stadt will. CDU und FDP im Waltroper Stadtrat haben gleich nach dem ersten Tag, an dem die Sperrung in die Tat umgesetzt war, ihrem Missfallen Ausdruck verliehen. Seit Montag (10. Mai) ist mit einer weiß-roten Baustellen-Bake, Blinklichtern und einem Dreieck aus Bauzäunen die Durchfahrt versperrt. „Das ,Poller-Experiment‘ ist gescheitert“, stellt Andreas Brausen, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, am Dienstag fest. Das Ganze sei schon jetzt „erkennbar ein Misserfolg“.

Lange Umwege und Suchverkehr in Waltrop

Autos müssten lange Umwege fahren „und der Suchverkehr stört viele Autofahrer und Fußgänger mehr als der Durchfahrtsverkehr zuvor“, so Brausen weiter. Die Aufenthaltsqualität sei nicht gesteigert worden „und der Sicherheitsgewinn heute nicht erkennbar“. Die Befürworter dieser Planung sollten ihr Scheitern eingestehen „und endlich mit uns gemeinsam an einer tragfähigen Lösung arbeiten“, schreibt Brausen.

FDP fürchtet Abwanderung in Nachbarstädte

Ins gleiche Horn stößt FDP-Fraktionschef Dr. Heinz Josef Mußhoff: Wer nördlich der Innenstadt wohne, müsse jetzt auf dem Heimweg „einmal im Kreis um die Innenstadt herumfahren“, schreibt Mußhoff bei Facebook. Der zusätzliche Verkehr sei das Eine, aber womöglich kämen Waltroper dann auch auf die Idee, für Einkäufe lieber in die Nachbarstädte zu fahren, wo das Parken einfacher ist. „Das ist nicht gut für die Geschäfte in der Innenstadt, nicht inklusiv und schon gar nicht umweltfreundlich“, unterstreicht die FDP. Für die Liberalen sei klar, dass es eine Möglichkeit geben müsse, den Marktplatz mit dem Auto nach links zu verlassen. Mußhoff betont auch, dass die FDP-Ratsmitglieder als einzige Fraktion geschlossen gegen den Antrag gestimmt hätten, die Durchfahrt zum kleinen Parkplatz an der Stadthalle zu verschließen, ohne dass gleichzeitig ein Linksabbieger eingerichtet wird.

Grüne im Waltroper Rat befürworten die Sperrung

Die Bündnisgrünen gehören indes zu den überzeugten Befürwortern der Sperrung. Auf dem Marktplatz werde „viel zu schnell gefahren und dabei entstehen gefährliche Verkehrssituationen“, unterstreichen die Grünen. Während der Rats- und Ausschuss-Sitzungen, in denen das Thema zuletzt besprochen worden war und die in der Stadthalle stattfanden, konnten die Politiker selbst durch die Fensterscheiben Zeuge des Autoverkehrs zwischen den beiden Bereichen werden. Die Grünen argumentieren, die Sperrung erhöhe die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. Zudem steigere sie die Aufenthaltsqualität auf dem Raiffeisenplatz. Denn, so hatten es die Grünen immer wieder betont, diese sei nicht mit immer mehr Parkplätzen zu erreichen und auch nicht, indem man alles auf den Autoverkehr ausrichte.

Grüne: Marktplatz ist ein Parkplatz

Zurzeit aber geschehe genau das: Der Marktplatz sei ein Parkplatz. Dabei sei Waltrop „die Stadt der 15 Minuten“, sprich innerhalb einer Viertelstunde könne man die allermeisten Ziele erreichen – ob per Stadtbus, mit dem Rad oder zu Fuß. Zudem gebe es in der Innenstadt genug andere Parkplätze, etwa am Haus der Begegnung, an der „Woolworth“ oder auf der Schweinewiese.

25.000 Euro waren kalkuliert worden für die Einrichtung eines Linksabbiegers an der Ampelkreuzung vom Marktplatz zum Moselbach – Geld, das die Grünen lieber in anderen Nahmobilitäts-Projekten investiert sähen. „Kein gutes Geld in eine schlecht geplante Kreuzung“, erklären sie.

Ihre Meinung

Sperrung – ja oder nein?

Was ist Ihre Meinung zur Situation auf dem Marktplatz? Sind Sie für die Absperrung zwischen kleinem und großem Marktplatz oder dagegen? Wie beurteilen Sie generell die Aufenthalts-Qualität auf dem Raiffeisenplatz und den angrenzenden Flächen? Was würden Sie sich wünschen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an wzredaktion@medienhaus-bauer.de

Weiterer Aspekt

„Behindertenfreundlich wäre das nicht“

Die Grünen sehen noch einen weiteren Nachteil, wenn eine Linksabbiege-Möglichkeit an der Ampel geschaffen würde: Das führe an der Ampelkreuzung Isbruchstraße/Am Moselbach zu längeren Wartezeiten für Fußgängerinnen und Fußgänger – „also auch für Beeinträchtigte oder ältere Menschen mit Rollatoren. Behindertenfreundlich wäre das nicht“, schließen die Grünen.

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