Altenheim St. Peter

Der „Waltroper Wind“ weht endlich wieder

Es wird wieder musiziert und gesungen im Altenheim St. Peter. Von einer großen Erleichterung - die hoffentlich von Dauer ist.
Erstes gemeinsames Singen nach der Corona-Zwangspause: Das Altenheim St. Peter (99 Bewohner) hatte bei herrlichem Sommerwetter alle Bewohner zu einem gemütlichen Vormittag mit Live-Musik in den Garten des Hauses eingeladen. Den Chor stellten Mitglieder des Schützenvereins. © Martin Pyplatz

Anderthalb lange Jahre erklang wegen Corona das Akkordeon von Werner Backhaus nicht im Altenheim St. Peter. Genauso lange gab es dort keinen Gesang der Riege älterer Schützen um den früheren Schützenkönig Manfred Rettkowski. Viel Freude hatten sie immer in die Einrichtung gebracht, bis Corona kam und all das nicht mehr möglich war. Am Freitag (23.7.) nun war ein Fest-Tag für die Bewohner. Endlich wieder sangen sie wieder die altvertrauten Lieder im Garten des Altenheims, Klassiker wie der „Waltroper Wind“, bei denen die Zettel mit Liedtext und Noten nur zur Zierde vor den Bewohnern liegen. Echte Waltroper – und von denen leben viele im Altenheim im Schatten der Feuerwache – kennen das Lied selbstverständlich auswendig. Der Arm wird in die Luft gereckt, das Wehen des Windes nachgemacht.

Langweilige Zeiten sind hoffentlich vorbei

Hannelore Treder gehört dem Heim-Beirat an. Die Zeiten, in denen man keinen Besuch empfangen konnte – das sei schon sehr langweilig gewesen, sagt sie und freut sich sichtlich, dass jetzt endlich wieder Programm ist. Gesungen wird nun wieder regelmäßig, was neben dem Unterhaltungsfaktor ja zum Beispiel auch nachweislich positive Effekte für Menschen hat, die an Demenz erkrankt sind.

Im August soll es außerdem einen Cocktail-Abend geben, wie Frauke Köhler, die Leiterin des Sozialen Managements, erzählt. Hannelore Treder ist gespannt: „Sowas hab ich noch nie mitgemacht.“ Und im Herbst ist – dann im Gebäude – ein besonderes Frühstück geplant. Manche Senioren blicken nun aber bang auf die langsam wieder steigenden Corona-Inzidenz-Zahlen – und hoffen inständig, dass die dem Altenheim um Leiter Ingo Wieckhorst keinen Strich durch die Rechnung machen, sprich: dass nicht neue Beschränkungen kommen.

Das hoffen auch Manfred Rettkowski und seine Kameraden von den Schützen, die seit vielen Jahren dem Altenheim verbunden sind. Wer aus dem Garten zurück ins Haus geht, der sieht, gleich rechts, die Throne des Altenheim-Schützenkönigs und des Schieß-Paten. Die frühere Einrichtungsleiterin Bernadette Sümpelmann hatte davon erzählt, als unsere Zeitung sie anlässlich ihres Abschieds traf: Viele Bewohner hätten den Umzug des „großen“ Schützenfestes miterleben wollen, doch das sei logistisch schwierig gewesen. „Also hab‘ ich bei den Schützen nachgefragt, ob ihr Schießstand mobil ist.“ Das ist er natürlich, und so gab es seit 2011 ein Altenheim-Schützenfest, bei dem je ein Schütze stellvertretend für einen Bewohner auf den Vogel zielt. Die Schützenkette zeigt es: 2017 gab es das Fest zuletzt – 2019 wurde es aus organisatorischen Gründen auf 2020 verschoben, dann kam eben Corona. Manfred Rettkowski sagt, man wolle die Tradition wieder aufleben lassen.

Teil des Waltroper Lebens sein

Nicht unter sich zu bleiben, sondern Teil des Lebens in der Stadt zu sein – das gehört schon lange zum Selbstverständnis des Altenheims St. Peter. Die Verbindung mit dem Motorradclub und die Ausflugsfahrten im Motorrad-Beiwagen sind Legende. Die Schützen standen auch immer parat, wenn es etwa darum ging, die Bewohner, die Senioren in die Stadt zu befördern und von dort wieder abzuholen. Als dann Corona kam, blieb nichts mehr zu tun. Nur den Corona-Kontrolldienst am Eingang konnte man noch übernehmen.

Vorbei diese Zeit, und hoffentlich auf Dauer. Akkordeonspieler Werner Backhaus bespricht nach dem Auftritt schon die Anschluss-Termine mit den Mitarbeiterinnen des Altenheims. Ungezählte Male hat er in Altenheimen und anderen Einrichtungen in der Stadt den Menschen mit seinem Instrument Freude gebracht, und daran knüpft er jetzt nahtlos an. „Ich spiel‘ jetzt seit fast 70 Jahren“, sagt Backhaus. Das verlernt man auch durch eine Corona-Pause nichts.

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