Goldene Monstranz

Dreister Diebstahl in der Laurentiuskapelle – so reagiert Pfarrer Roeger

Die Laurentiuskapelle in der Waltroper Bauerschaft Leveringhausen ist in der Nacht auf Samstag von dreisten Dieben heimgesucht worden. Doch der Vorfall hat auch einen kuriosen Aspekt.
Küster Bernd Brinker zeigt auf die Stelle, in der sich das Kreuz im Barockaltar der Laurentiuskapelle befand. © Martin Pyplatz

Update, Dienstag, 12.45 Uhr

Am heutigen Dienstag hat sich auch der Leitende Pfarrer der St.-Peter-Gemeinde, Dr. Carsten Roeger, zu dem Einbruch in der Laurentiuskapelle geäußert. Er verurteilt den Diebstahl mit Nachdruck: „Früher galten Gotteshäuser – wie Kirchen, Kapellen, Moscheen oder Synagogen – als sakrosankt (unantastbar)“, erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber da hat sich in der Gesellschaft wohl einiges verschoben – leider“, beklagte er. Immerhin hätten die Täter die Laurentius-Reliquie und das Kreuz an den Tatort zurückgebracht. Aber die Monstranz sei wohl für immer verloren. „Die Polizei hat uns nur geraten, die Ebay-Foren zu überwachen, da es möglich sei, dass sie dort zum Verkauf angeboten werde“, sagte Dr. Roeger.

Was wir bisher berichteten:

Bernd Brinker ist entsetzt: Diebe hatten es auf die Laurentiuskapelle in Waltrop-Leveringhausen abgesehen. In der Nacht auf Samstag sind eine goldene Monstranz mit der Reliquie des Heiligen Laurentius und ein Barockkreuz vom Altar gestohlen worden. Das meldete der zuständige Küster des Pfarrbezirks St. Ludgerus am Wochenende der Polizei.

Ein Teil der Beute taucht wieder auf

Das Kuriose: Am Montagmorgen wird ein Teil der Beute in einer Tüte am Gartentor des Nachbarhauses gefunden. Die Diebe hatten es – vielleicht, weil sie ein schlechtes Gewissen bekamen – offenbar zum Tatort an der Schultenstraße zurückgebracht. Nur die goldene Monstranz bleibt verschwunden.

„Entdeckt hat den Einbruch meine Frau Annegret, die mich am Samstag erstmals bei einer Trauung hier in der Kapelle vertreten hat“, erzählt Brinker am Montag vor Ort. „Die war richtig geschockt, als sie das kleine, zerstörte Fenster am Turm sah“, so der Küster. Der oder die Täter hatten einen Gitterstab profimäßig mit einer Akku-Trennscheibe entfernt und müssen ein Kind durch das eingeschlagene, gut 20 Zentimeter breite Fensterloch in die Kapelle gehoben haben – größer ist der Einstieg jedenfalls nicht.

Ein Gitterstab ist profimäßig mit einer Akku-Trennscheibe entfernt worden. © Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

Dann wurde wahrscheinlich die Turmpforte geöffnet und die Diebe machten sich in dem Sakralbau zu schaffen, wie die Spuren bezeugen: Der Opferstock an der Eingangstür wurde versucht, zu entfernen. Vergebens. Auch am Tabernakel im Altar gibt es Schäden, obwohl der Aufbewahrungsort für die Gaben gar nicht abgeschlossen und leer war.

Das darüber stehende Kreuz packten die Diebe zunächst ein, müssen aber im Nachhinein festgestellt haben, dass es nicht viel wert ist. „Ich habe das Kreuz vor einigen Jahren für 170 Euro erstanden, weil wir die leere Stelle im Barockaltar damit passend ausfüllen wollten“, erinnert sich Brinker.

Der ideelle Wert ist groß

Nur, dass die Täter die Monstranz mit dem Laurentius-Reliquiar aus der Wandnische gestohlen haben – das ärgert Bernd Brinker schon sehr: „Die Monstranz hat im Jahr 1770 Vikar Caspar Joseph Koch von einer Wallfahrt aus Rom mitgebracht und seitdem ist der Hl. Laurentius hier Namenspatron“, weiß er. „Sie hat sicher keinen immensen Sachwert“, meint er – und zeigt ein Foto. Aber der ideelle Wert sei groß für die Gemeinde, die die Kapelle schon seit Jahrzehnten hegt und pflegt.

In dieser Wandnische befand sich einmal die Monstranz. © Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

Überhaupt dürfte der angerichtete Schaden in die Tausende gehen, stellt der Küster fest. Allein das mit Blei eingefasste Fenster müsse mit viel Handwerkerkönnen wieder hergestellt werden – und das koste heutzutage viel Geld. Schließlich steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Und die Reliquie des Heiligen Laurentius? „Da hoffe ich nur, dass sich in der Gemeinde edle Spender für ein neues Behältnis finden“, hofft Bernd Brinker.

Daten & Fakten

Die Laurentiuskapelle

Die St.-Laurentiuskapelle wurde um 1070 gebaut und ist ein Geschenk des Grafengeschlechts derer zu Mengede an die Abtei Werden.

Der Barockaltar stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist oben aus Holz geschnitzt und unten aus Stein.

Jedes Jahr am 10. August wird an der Kapelle das Laurentiusfest gefeiert.

Der Abend in Waltrop

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