Sara Nanni

Ein weiter Weg – vom Waltroper KiJuPa in den Bundestag?

20 Jahre KiJuPa in Waltrop – einige Mitglieder der Anfangsjahre haben wir schon vorgestellt. Eine ehemalige Vorsitzende kandidiert jetzt aber sogar für die Grünen für den Bundestag.
Die politischen Anfänge von Sara Nanni liegen im KiJuPa in Waltrop. © Dominic Heidl

Der Abschnitt „politisches Engagement“ nimmt im Lebenslauf von Sara Nanni einen größeren Raum ein. Ganz unten aber, gewissermaßen als Basis für alles, was da noch kommen sollte, steht: „ 09/2002 – 08/2005 Kinder- und Jugendparlament Waltrop – Mitglied im Vorstand, Vorsitzende“. Sara Nanni lebt längst nicht mehr in Waltrop, aber an ihre Zeit im KiJuPa erinnert sie sich genau. Politik nicht an der Seitenlinie zu verfolgen, sondern selbst zu gestalten, das ist ihr wichtig und wurde ihr mit den Jahren immer wichtiger. Die 34-Jährige kandidiert in Düsseldorf für die Grünen für den Bundestag. Und ihre Chancen stehen sehr gut – Listenplatz 17 garantiert selbst bei einem für aktuelle Grünen-Ansprüche mittelmäßigen Wahlergebnis einen Platz im Parlament in Berlin.

Nicht gerade „grün“ sozialisiert

„Grün“ sozialisiert war sie eigentlich nicht, sie stammt aus einer „Malocher-Familie“, wie sie es selbst auf ihrer Internetseite sagt. Und in ihrer Zeit als KiJuPa-Vorsitzende ließ sie sich auch nicht parteipolitisch vereinnahmen. Sie sei wohl eine „Schwatte“, glaubte man bei der SPD. Sie halte es mit den Genossen, argwöhnte man in der CDU. So ist das eben, wenn man in keiner der beiden großen Parteien mitmacht.

Selbst zu den Grünen fand sie erst später. Die Tochter kam zur Welt – und immer deutlicher stellte sie sich die Frage, welche Lebensgrundlagen sie denn eines Tages wohl vorfindet. Seit 2012 war sie über viele Stationen zu den Themen Frieden und Sicherheit gekommen, an denen sie im Umfeld der Grünen arbeitete. Seit 2015 ist das auch ihr Beruf. Eines der Themen der Friedens- und Konfliktforscherin, die zuletzt an einem Projekt an der Hochschule Düsseldorf arbeitete, ist der Salafismus.

Ihre politische Rolle vor Ort am Rhein: Sie war zuletzt zwei Jahre im Kreisvorstand als Beisitzerin tätig. Demnächst also hängen an Düsseldorfer Laternen Plakate mit ihrem Konterfei. Sie ist gespannt, wie es wohl sein wird, sich selbst ständig zu sehen. Anders als die Waltroper verzichten die Düsseldorfer Grünen nicht auf die Laternen-Plakate. „Wer nicht an der Straße hängt, der tritt in der Wahrnehmung der Leute gar nicht an“, sagt sie. Längst schon bestünden die Plakate der Grünen aus Material, das sich fürs Upcycling, also das Verwandeln scheinbar nutzloser Stoffe in neuwertige Produkte, eignen. Laut Medienberichten wurden 70 Großflächenplakate und über 4000 Plakate in A0 und A1 an vielen Stellen im ganzen Stadtgebiet platziert. Dennoch: Wie man mit dem Thema Plakate umgehe, das werde immer auf Ortsebene entschieden. Es liegt ihr fern, den Waltroper Grünen da schlaue Ratschläge zu erteilen.

Ein gewisser Otto Schily war der Vorgänger

Richtig bekannt ist Sara Nanni in Düsseldorf bisher nicht, „aber mal ehrlich: Welcher Bundestagskandidat ist das schon?“, fragt sie. Und immerhin hat sie gute Chancen, Geschichte zu schreiben: Es ist nämlich lange her, dass im Bundestag in Berlin ein Düsseldorfer für die Grünen saß, der tatsächlich bekannt war. In den 80er-Jahren war das damals ein gewisser Otto Schily, der später zur SPD wechselte und Bundesinnenminister war. Sara Nanni könnte die nächste Grüne aus Düsseldorf im Bundestag werden.

Die Schlaglöcher sind noch da

Und der Kontakt zu Waltrop? Ist nicht mehr besonders intensiv, ihr Lebensmittelpunkt ist jetzt Düsseldorf, dort lebt die verheiratete Mutter einer Tochter seit 2017. Das Studium hatte sie zuvor nach Bordeaux und Stuttgart geführt. Früher ging sie noch zum Parkfest, aber irgendwann traf sie dort immer weniger Bekannte. Sie ist nun auch schon eine Weile weg aus Waltrop: In der Stufe 11 am Theodor-Heuss-Gymnasium hatte sie seinerzeit Leistungskurs Französisch wählen wollen, doch der kam nicht zustande. Also zog sie – wegen eines freiwillig wiederholten Schuljahres schon 18 – nach Münster, machte dort ihr Abitur. Und von dort ging es in die Welt.

„Einer aus meiner Generation!“

Die Details der Waltroper Politik verfolgt sie nicht, aber dass der neue Bürgermeister Marcel Mittelbach heißt, ist ihr natürlich nicht entgangen. „Einer aus meiner Generation!“, sagt sie erfreut, ohne freilich beurteilen zu können und zu wollen, ob er seine Sache gut macht.

Neulich aber, da war sie mal wieder in ihrer Heimatstadt. „Wir wohnten an der Hochstraße, gegenüber vom Blue Inn, das früher ja Posthorn hieß“, erzählt sie. Sie wollte ihrer Tochter den Schulweg zur Galenschule zeigen, den sie selbst früher gelaufen ist. Erkenntnis: „Viel hat sich nicht verändert. Sogar die Schlaglöcher sind noch an den gleichen Stellen.“

Bald also kommt ein neuer Lebensabschnitt auf Sara Nanni zu. Bange ist ihr davor nicht, im Gegenteil. Sie ist eben ein durch und durch politischer Mensch. Das sei ihr noch einmal bewusst geworden, als es darum ging, wie sie politische Karriere, Familie und eine geplante Promotion unter einen Hut bringen könnte. Am Ende entschied sie sich gegen die Promotion. Die Wurzeln für diese Leidenschaft für die Politik – sie liegen im KiJuPa in Waltrop, wo vor fast 20 Jahren alles begann.

Zum Zehnjährigen Gast in Waltrop

Sara Nanni war zum zehnjährigen Bestehen des KiJuPa 2011 zu Gast in Waltrop. „Es war ein wichtiger Bestandteil meiner Jugend. Durch meine Arbeit im KiJuPa bin ich viel erwachsener geworden und habe gelernt, mich gut zu verkaufen“, sagte sie damals. Insofern habe sie aus ihrer aktiven KiJuPa-Zeit etwas mitnehmen können.

Der Abend in Waltrop

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