Kindgerechte Corona-Tests

Erst lutschen, dann Mathe: Lolli-Tests an den Grundschulen laufen

Seit dieser Woche ist an den drei Waltroper Grundschulen wieder mehr Leben eingekehrt. Die Schüler sind mit dem Wechselunterricht gestartet. Neu auf dem Stundenplan: Lolli lutschen.
Nordrhein-Westfalen hat sogenannte Lolli-Tests flächendeckend an allen Grund- und Förderschulen eingeführt. Auch in Waltrop wird seit Montag vor dem Unterricht „Lolli“ gelutscht. © dpa

Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Für die Grundschüler stehen jetzt an jedem Schultag vor Unterrichtsbeginn „Lolli-Tests“ an, mit denen sie auf das Coronavirus getestet werden. Jeden Morgen verteilt die Lehrerin die „Lollis“, Stäbchen mit Tupfer, in der Klasse, die Schüler lutschen 30 Sekunden lang darauf herum, die Stäbchen der Gruppe wandern im Anschluss daran zusammen in ein großes Röhrchen, sie bilden einen „Pool“. Die Proben werden eingetütet, beschriftet und von einem Fahrer abgeholt, der sie in ein Labor bringt. Dort werden sie ausgewertet. Bereits früh am nächsten Morgen, gegen 5 oder 6 Uhr, kann die Schule die Ergebnisse online abrufen. So weit die Theorie. In der Praxis scheint es in einigen Städten Probleme mit der aufwändigen Logistik der „Lolli-Tests“ zu geben, in Essen etwa haben zahlreiche Grundschulen den Start der neuen Teststrategie verschoben.

In Waltrop wird fleißig gelutscht

In Waltrop hingegen wird seit Montag fleißig gelutscht, die „Lolli-Tests“ werden an allen drei Grundschulen durchgeführt. Im Vorfeld hätten die Tests den Schulen viel Arbeit beschert, sagt Stephanie Behr-Kiesenberg, Rektorin der Kardinal-von-Galen-Schule. Das Material sei spät angekommen, es mussten Testpakete für zu Hause und Material zusammengestellt werden. In den ersten beiden Tagen habe es dann ein paar kleine Anlaufschwierigkeiten gegeben. So seien die Ergebnisse der Galen-Schule etwa erst spät abrufbar gewesen. Das darf bei der engen Taktung des Verfahrens nicht passieren. Denn wenn ein positiver Fall unter den Proben ist, muss zügig nachgetestet werden. Dem war zum Glück bislang nicht so. Künftig geht die Schule davon aus, die Ergebnisse rechtzeitig zu erhalten.

Missverständnisse in der Elternschaft

Auch das eine oder andere Missverständnis in der Elternschaft haben die neuen Tests mit sich gebracht. „Wir hatten schon zwei Eltern hier, die die Lolli-Tests zu Hause gemacht haben und die Proben dann am Tor abgeben wollten“, sagt Behr-Kiesenberg. Sie geht aber davon aus, dass sich das Prozedere jetzt schnell einspielen wird. Insgesamt ist die Rektorin froh über die „Lolli-Tests“. Sie seien leichter durchführbar als die Schnelltests per Nasenabstrich.

Das bestätigt auch ihre Kollegin, Marita Köstler-Mathes, Rektorin der August-Hermann-Francke-Schule. „Das ist so einfach“, sagt sie. Generell ließen sich die Tests gut in den Unterricht einbinden. „Wir hätten auch mit den Nasen-Tests leben können“, sagt sie. Diese seien ja auch in der Notbetreuung angewendet worden. Doch die Lolli-Tests seien ja PCR-Tests und somit sicherer. Das gebe einem schon ein gutes Gefühl. Bitterer Beigeschmack: Ist eine Pool-Probe positiv, müssen alle Schüler dieser Gruppe zu Hause per Lolli nachtesten. Bis dann die Ergebnisse vorliegen, müssen sie in Quarantäne bleiben.

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