Junge Wähler in Waltrop

Erstwähler Cihat Sengül: „Spannend wird es bei Sondierungsgesprächen“

Das erste Mal wählen bei der Bundestagswahl – schon ein besonderer Akt. Und eine Entscheidung, die sich Cihat Sengül, der Ex-Vorsitzende des KiJuPa Waltrop, nicht leicht gemacht hat.
Cihat Sengül zeigt vor dem Waltroper Rathaus seinen Wahlbrief. © Martin Pyplatz

Das erste Mal bei einer Bundestagswahl seine Kreuzchen machen – nie wäre Cihat Sengül (18) auf die Idee gekommen, diese Chance auszuschlagen. Leicht gemacht hat er sich die Entscheidung aber nicht, sagt er. Erst wenige Tage, bevor er seinen Wahlzettel abgab, habe er sich entschlossen. Und Cihat Sengül, der mehrere Jahre Vorsitzender des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) in Waltrop war und noch immer im Kinder- und Jugendrat NRW vertreten ist, nimmt gleich das ganze Programm mit, ist nicht nur Erstwähler, sondern auch Wahlhelfer. Das sogar schon zum zweiten Mal – auch bei der Kommunalwahl vor etwa einem Jahr war er schon im Quartierhaus „Alter Graben“ eingesetzt.

Abitur am THG

Viel gelesen hat er, um seine Wahlentscheidung zu treffen, sagt Cihat Sengül, der in diesem Jahr am Theodor-Heuss-Gymnasium sein Abitur gemacht hat und ab Herbst Politikwissenschaften studieren wird: in Zeitungen, Zeitschriften, Online… Und die drei „Trielle“, die hat er genauso gesehen wie die Scharmützel, die es im Laufe der letzten Wochen über und zwischen den drei Spitzenkandidaten Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz gab. Auch Diskussionsrunden vor der Wahl hier in Waltrop – wie etwa die des WA – hat er verfolgt.

Cihat Sengül ist Diskussionen über Politik indes schon gewohnt. Sein Vater war lange Zeit selbst politisch aktiv – und Cihat Sengüls jüngere Schwester, die jetzt in die fünfte Klasse am THG geht, ist auch schon angesteckt: Sie habe sich für die KiJuPa-Neuwahlen aufstellen lassen, erzählt der große Bruder.

Welche Themen haben ihn besonders beschäftigt bei der Wahl nach dem richtigen Ort für die Kreuzchen? Umweltschutz, natürlich, der ist fast so etwas wie „Pflichtprogramm“ für seine Generation. Aber Cihat Sengül findet auch: „Man darf das Thema Umwelt aber nicht losgelöst von allem anderen sehen.“

Themen ÖPNV und Altersvorsorge

Ihn hat darüber hinaus auch interessiert, wie sich die Parteien zum Thema ÖPNV stellen. Weil er am eigenen Leibe erfahren hat, dass es da selbst im Ballungsraum Ruhrgebiet noch vielfach hapert. Für Sitzungen des KiJuRates habe er öfter nach Düsseldorf gemusst – und so manches Mal am Gleis in DO-Mengede ausfallende oder ihm vor der Nase wegfahrende Züge erlebt. Da sei man dann aufgeschmissen, und er verstehe, wenn doch wieder dem Auto der Vorzug gegeben werde. Und ein Thema hat ihn noch umgetrieben – eines, das für einen Erstwähler eher untypisch ist: stabile Renten, sichere Altersvorsorge.

Wer hält die Neujahrsansprache?

Aber erstmal kommt jetzt der Wahltag. Erstmal geht es für den Wahlhelfer Cihat Sengül konzentriert ans Auszählen, aber dann werde er zu Hause sicher noch die eine oder andere Analyse mitnehmen. „Spannend wird es ja eigentlich erst in den nächsten Wochen, wenn es an die Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen geht“, sagt der 18-Jährige. „Oder besser: in den nächsten Monaten. Ich glaube ja“, fügt Sengül mit verschmitztem Grinsen hinzu, „dass die Neujahrsansprache noch Frau Merkel hält.“

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