Drei Veranstaltungen

Es geht wieder rund – Schausteller laden im Ostvest zur Kirmes ein

Zuckerwatte-klebrige Gesichter, Drehwurm vom Karussellfahren, bunte, blinkende Lichter - darauf haben Bürger im Ostvest lange verzichten müssen. Doch jetzt ist wieder Kirmes angesagt.
Bunte Lichter, Los-Stände und ein ganz besonderer Duft, der in der Luft liegt: In Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick laden Schausteller nach langer Zwangspause wieder zur Kirmes ein. © Meike Holz

„Es geht wieder rund“, verkündet Richard Abendroth fröhlich. Er ist Sprecher des Schaustellervereins Recklinghausen, der die anstehenden Kirmesveranstaltungen in Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick organisiert. Dreimal Familienkirmes also, die ersten im Kreis nach langer Corona-Zwangspause. Ohne Zaun und ohne Termin, ein bisschen so wie früher, Kirmes zum spontanen Drüberschlendern und zum Nulltarif – wenngleich nicht ganz ohne Auflagen. So herrscht am kommenden Wochenende beim Rummel auf dem Waltroper Marktplatz zum Beispiel Maskenpflicht. Das hat das Ordnungsamt beschlossen.

Schausteller sind froh, dass mal wieder was geht

Doch das trübt die Stimmung bei Abendroth und seinen Kollegen nicht. Sie sind froh, dass überhaupt mal wieder etwas geht, wenn auch im kleinen Rahmen. Die Absagen der großen Kirmesveranstaltungen haben ihm und seinen Mitstreitern seit Ausbruch der Pandemie arg zugesetzt. Keine Palmkirmes. Keine Allerheiligenkirmes. Alles Termine, an denen sonst gut Kasse gemacht wurde. Und überhaupt lag das Geschäft für die allermeisten seit Pandemiebeginn auf Eis. Doch Schausteller wären nicht Schausteller, wenn sie einfach so aufgeben würden, sagt Abendroth. „Wir sind Überlebenskämpfer“. So haben er und seine Kollegen sich hier und da stets etwas einfallen lassen, um über die Runden zu kommen. Haben ihre Stände in den Städten aufgebaut und dort Mandeln, kandierte Äpfel und Co. unters Volk gebracht.

Kirmes mit Zaun ist keine richtige Kirmes

Oder versucht mit kleinen, eingezäunten Veranstaltungen, Geld in die klammen Kassen zu spülen, Stichwort „Pop-Up-Kirmes“. Auch Abendroth selbst hat sich zwei bis drei Mal an „Pop-Up-Dingern“ beteiligt, wie er sie nennt. Doch sein Fazit fällt nüchtern aus. „Eine Kirmes mit Zaun drum ist keine richtige Kirmes“, sagt er. Bei einer Kirmes, da gehe es um das spontane Flanieren, die bunten Lichter, die die Leute anlocken, Kirmesduft, der in der Luft liegt. Für ihn haben sich die kleinen aufgebauten Pop-Up-Rummel nach eigenen Angaben nicht wirklich gelohnt und nur geringe Gewinne gebracht. Doch nicht alle vom fahrenden Volk hatten überhaupt das Glück, im Kirmesgeschäft noch etwas verdienen zu können. „Schausteller haben keine Luft, Experimente zu machen“, erklärt Abendroth. Einige hätten zum Beispiel auch zum Überbrücken dieser Zeit kurzzeitig andere Tätigkeiten aufgenommen, sich irgendwo anstellen lassen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Doch: „Die meisten der Traditionsgeschäfte kehren wieder zurück“, ist sich der Schausteller sicher. Das habe etwas mit Leidenschaft zu tun. Schausteller zu sein, das habe man im Blut, das sei nicht einfach irgendein Beruf, den man an den Nagel hänge. Ein paar, so der Recklinghäuser, hätten das aber schweren Herzens tun müssen, haben die Krise nicht überstanden.

Die Kirmes auf dem Waltroper Marktplatz kann kommen – am Mittwoch liefen die Aufbauarbeiten auf Hochtouren. © Meike Holz © Meike Holz

Dosenwerfen, Autoscooter und andere Kirmes-Klassiker

Fast hat man den Eindruck, Richard Abendroth ist ein bisschen aufgeregt, wenn er über die drei anstehenden Kirmesveranstaltungen in Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick spricht. Los geht es in Waltrop am kommenden Wochenende auf dem Marktplatz. Eine klassische „Familienkirmes“, verspricht der Chef der Kirmesleute. Mit Kinderkettenflieger, Enten angeln, Dosenwerfen, Autoscooter und vielen weiteren Kirmes-Klassikern. Eine Woche später, vom 17. bis zum 19. September, ist dann in Oer-Erkenschwick Jahrmarktstimmung. Dort findet die Kirmes auf dem Rathausplatz/Berliner Platz und im Bereich der Innenstadt statt. Eine etwas größere Sause dürfen dann die Dattelner erwarten. In der Kanalstadt ist der Rummel vom 24. bis zum 27. September zu Gast, dort ist also einen Tag länger Kirmes, als in den anderen beiden Ostvest-Städten. Und ein bisschen größer. „Da wird richtig aus dem Vollen geschöpft“, freut sich Abendroth. Mit Breakdance, Kettenflieger und Musikexpress. Die Schausteller platzieren sich auf dem großen Schemm-Parkplatz, in der Fußgängerzone und auf dem Neumarkt. Die Karussells drehen sich allerorten jeweils von 14 bis 22 Uhr.

Natürlich gibt es bei aller Kirmes-Stimmung ein paar Spielregeln einzuhalten, im Sinne der Corona-Schutzverordnung. „Die Städte kommen uns sehr entgegen und unterstützen uns“, ist dem Sprecher wichtig zu betonen. Denn auch eine kleine Kirmes bedarf viel Planung im Vorfeld – besonders in diesen Zeiten. Im Schnitt acht bis neun Wochen. „Uns wird möglich gemacht, was möglich ist“, sagt Abendroth. Deshalb wollen auch er und seine Kollegen in Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick ihr Bestes geben. Für ein bisschen unbeschwertes Kirmes-Gefühl. Endlich mal wieder.

Hoffen auf den Herbst und das kommende Jahr

Langsam füllt sich der Kalender vom Schaustellerverein Recklinghausen wieder ein bisschen. Vom 1. bis 4. Oktober sind sie in Castrop-Rauxel beim Viehmarkt vertreten, vom 8. bis 10. Oktober wird in Marl-Hüls Kirmes gefeiert. Und natürlich hoffen Abendroth und seine Kollegen auf die Allerheiligenkirmes in Recklinghausen-Süd (29. Oktober bis 1. November), die Weihnachtsmarkt-Saison und insgesamt auf ein besseres Jahr 2022.

Der Abend in Waltrop

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