Campingboom in Coronazeiten

Familien zieht es ins Grüne – auch wenn die Poolparty ausfällt

Ein Besuch im Erholungszentrum Königsmoor, das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird: Die „Altcamper“ sind begeistert wie eh und je und die „Neuen“ genießen Ruhe und Freiheit in den Sommerferien.
Für die Dauercamper Erika und Fred Risse ist das Königsmoor die zweite Heimat. © Meike Holz

Nein, Luxuscamping und Mega-Reisemobile sind im Erholungszentrum Königsmoor ganz im Norden Waltrops nicht angesagt. Und dennoch ist die Nachfrage groß: „Unsere Kunden genießen die Ruhe, die Natur und Freiheit auf unserem Platz“, sagt Jürgen Bitter, der gemeinsam mit seinen beiden Brüdern den Betrieb führt. „Wir vermieten ausschließlich an Dauer-Camper“, betont er. Rund 270 Parzellen habe das Domizil am Markfelder Weg aufzuweisen – und die seien in Coronazeiten überaus begehrt. „Ich hoffe nur, dass die neuen Kunden am Ende nicht enttäuscht sind, denn einen 24-Stunden-Rundum-Service können wir nicht bieten“, meint er. „Wir sind ja kein Hotelbetrieb.“

Ehepaar Risse aus Dortmund verbringt den ganzen Sommer hier

Eine Stippvisite zeigt, wie entspannt die Menschen auf dem Platz sind: Da ist das Ehepaar Risse aus Dortmund, das gerade ein Schwätzchen mit dem Nachbarn hält. „Wir sind schon seit 46 Jahren Dauergast. Jetzt im Rentenalter verbringen wir den ganzen Sommer hier“, erzählt Erika Risse. „In den Lockdown-Zeiten war das ideal.“ Und ihr Gatte Fred ergänzt: „Wir kennen keine Langeweile, pflanzen Gurken und Tomaten an, lassen die Sonnenblumen wachsen und nutzen die ebenen Radwege für Ausflüge bis Haltern oder Lüdinghausen.“

Neu-Camper Patrick Kunz aus Duisburg parkt hier seinen Wohnwagen am neuen Standort in Waltrop. © Meike Holz © Meike Holz

Familie Kunz aus Duisburg ist gerade frisch zugezogen

Nebenan ist „Action“ angesagt: Patrick Kunz aus Duisburg bockt gerade seinen Campingwagen auf. Noch ist er mit Hund Anka allein. Ehefrau Nadine und Tochter Kiara sind gerade in den Baumarkt gefahren, um Material einzukaufen. Der 45-Jährige will die kommenden zwei Urlaubswochen im Königsmoor nutzen, um seine neue Parzelle dort herzurichten. „Den Tipp habe ich von einem Kollegen erhalten, der ebenfalls hier ansässig ist“, verrät er – und freut sich schon auf das Feierabend-Bierchen und den Grillabend mit guten Freunden.

Ideal für Kinder – sagt die vierfache Mutter aus Castrop-Rauxel

Eine ganze Schar von Kindern tummelt sich rund um das kleine Anwesen von Simone Nuhnen, die mit Ehemann und vier Kindern hier seit fünf Jahren regelmäßig wohnt. „Die Älteren können hier frei laufen, den Spielplatz nutzen, Fußball spielen und Gleichaltrige treffen“, zählt die aus Castrop-Rauxel stammende Mutter die Vorteile auf. „Nur die Jüngste muss ich im Auge behalten.“ Noch schöner sei es allerdings vor Corona gewesen: Da sei der große Swimmingpool in Betrieb gewesen – und es habe ein tägliches Programm gegeben, von Frühsport über Schwimmkurse bis hin zur Poolparty oder dem Lagerfeuer am Abend. „Meine Großen haben sogar das Seepferdchen hier absolviert…“, schwärmt Simone Nuhnen.

Die Feier zum 50-jährigen Bestehen wird 2022 nachgeholt

Barbara Büchner, die „gute Fee“ vom Empfang, und Gastwirtin Beata Herbon sind schon ein wenig traurig, dass die Pandemie immer noch den Betrieb hemmt. Dennoch ziehe das Königsmoor viele Menschen aus dem ganzen Ruhrgebiet bis hin nach Wuppertal an. Die Küche sei günstig, herzhaft und sogar von Fernsehkoch Stefan Marquard empfohlen. Auch der Preis für die 90 bis 200 Quadratmeter großen Parzellen ist mit neun Euro pro Quadratmeter im Jahr im Vergleich günstig. Dazu kommen nur noch die üblichen Verbrauchskosten wie Wasser, Strom etc. „Und im nächsten Jahr können wir hoffentlich wieder so richtig feiern“, hoffen beide. „Eigentlich hatten wir schon dieses Jahr unser 50-jähriges Bestehen. Aber das holen wir 2022 nach“, sagt Königsmoor-Chef Jürgen Bitter. „Versprochen.“

Info

„Sepp“ Bitter ist der Vater vom Königsmoor

Franz-Josef Bitter hat das Erholungszentrum Königsmoor im Jahr 1971 aufgebaut. Er stammt aus der traditionsreichen Recklinghäuser Familie Bitter, die einst auch das Druckhaus Bitter in der Kreisstadt betrieb und sogar einen Bürgermeister in ihren Reihen hatte. Da er in Bayern aufgewachsen ist, war er unter dem Namen „Sepp“ bekannt. Nach seinem Tod im Jahr 2014 übernahmen die Söhne Jürgen, Raphael und Thomas Bitter die Anlage. Sie leben seit vielen Jahren in Minden, leiten aber den Familienbetrieb weiter.

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