Regenbogen-Diskussion

Homosexueller Vater: „Respekt fängt an, wenn’s ungemütlich wird“

Klas Bömecke ist in Waltrop aufgewachsen und lebt mit Mann und zwei Söhnen bei München. Er verurteilt die Vorgabe der UEFA zur Stadion-Beleuchtung, kann ihr aber auch Positives abgewinnen.
Vater, Vater, Kinder - das ist die Familien-Formel der (Bömecke)-Schmidingers mit (oben von links im Uhrzeigersinn): Ferdl, dem in Waltrop aufgewachsenen Klas, Niki und Veit. © Privat

Es sei „sehr, sehr gut, dass eine breite gesellschaftliche Diskussion entbrannt ist und dass sich sehr viele Menschen positionieren“, sagt Klas Bömecke. Dies trage dazu bei, dass sich die UEFA (Union of European Football Associations, der europäische Fußballverband) mit dem Verbot, das Münchener Stadion beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten, ein Eigentor eingehandelt habe. „Denn wenn die Allianz-Arena in diesen Farben beleuchtet gewesen wäre, wäre dieses Bild vielleicht drei bis fünf Sekunden zu Beginn der Übertragung gezeigt worden. Dieses Bild wäre in Ungarn vielleicht gar nicht sichtbar gewesen. Jetzt aber werden auf den Rängen des Stadions überall die Farben zu sehen sein. Während der ganzen Spielzeit. Und das finde ich gut“, erzählte uns der 49-Jährige am Mittwochmittag (23.6.) telefonisch.

Seit 2008 „verpartnert“ – seit 2015 stolzer Zwillingspapa

Seit 2008 ist er „verpartnert“ – mit Dr. Veit Schmidinger, mit dem er mittlerweile seit 25 Jahren zusammen ist. Klas Bömecke-Schmidinger erzählt offen, wie es dazu kam, dass das Familienglück im November 2015 komplett wurde. „Durch eine anonyme Eizellenspenderin und eine Leihmutter“, berichtet der 49-Jährige. Sofort schiebt er hinterher: „Wir haben keiner Frau das Kind weggenommen. Wir kennen die Leihmutter, die vor unseren Kindern bereits drei bekam und danach auch wieder schwanger wurde.“ Ferdinand und Nikolai traten in das Leben des schwulen Paares, die sie – ganz bayerisch – Ferdl und Niki rufen.

„Ich mache unsere Lebenssituation bewusst publik. Sicher, wir haben schon die Papageienfunktion, und manche Leute schauen auch zweimal hin, wenn sie uns sehen. Aber wir fühlen uns als Regenbogenfamilie mitten in der Gesellschaft wohl und haben keine Probleme. Wir werden nicht gefragt, wer bei uns die Mama-Rolle übernimmt. Auch wenn wir in dem 6000-Einwohner-Städtchen Feldkirchen vor den Toren Münchens leben und nicht in einer Schwulen-Blase“, sagt der Wahl-Bayer

„Jeder gehört mal einer Minderheit an“

Völliges Unverständnis zeigt Klas Bömecke für die „Respect“-Kampagne der UEFA. „Respekt ist nicht nur etwas, was man zeigen muss, wenn es gerade gemütlich ist. Respekt fängt an, wenn es ungemütlich ist.“ Respekt sei der kleinste gemeinsame Nenner des gesellschaftlichen Zusammenlebens. „Und jeder Mensch gehört in einer Phase seines Lebens einer Minderheit an. Das fängt schon beim Taubenzüchter an.“

Klas Bömecke sagte am Mittag im Hinblick auf das EM-Spiel am Abend unverblümt: „Das, was Ungarn verhindern will, bekommen sie jetzt optisch in die Fresse.“ Er sei froh, dass er als schwuler Vater in Deutschland leben dürfe. „Wir sehen beim Spiel ein positives und tolerantes Bild, und darauf bin ich stolz.“

Auch die Jugendabteilung des VfB Waltrop zeigt Flagge

Als Oliver Naumann, Trainer der Regionalliga-Mannschaft des VfB Waltrop, jüngst nach einem heftigen Regenguss einen Regenbogen über dem Hirschkampstadion fotografierte, wusste er nicht, dass er dieses Bild bald für einen bestimmten Zweck verwenden würde.

Diese Montage erstellte Oliver Naumann, der Sportliche Leiter für den Leistungsbereich beim VfB Waltrop, um den Verein zu positionieren. © VfB Waltrop © VfB Waltrop

„Ich finde, dass es eine Schande ist, dass die UEFA einknickt und München es nicht erlaubt, die Allianz-Arena in Regenbogenfarben zu beleuchten.“ Daher sah der Sportliche Leiter für den Leistungsbereich innerhalb der VfB-Jugendabteilung die Notwendigkeit, Flagge zu zeigen. Er erstellte eine Fotomontage: mit dem Regenbogen-Foto, der Aussage „Waltrop ist bunt“ sowie dem Hashtag „#Pride 2021“ und dem Logo des Vereins. „Ich finde es wichtig, dass wir uns als Verein positionieren“, sagt Oliver Naumann. Er wirft der UEFA vor, dass sich diese immer mehr von der Basis entferne. Aktive aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern kämen Tag für Tag im Hirschkampstadion zusammen. „Bei uns geht es darum, ob der Spieler oder der Trainer zu uns passen. Aussehen, Herkunft oder sexueller Orientierung spielen keine Rolle“, sagt Oliver Naumann.

Jörg Strieder hisste am Mittwochmorgen die Fahnen am Rathaus. © Christine Horn © Christine Horn

Am frühen Mittwochmorgen entschied Bürgermeister Marcel Mittelbach, dass vor dem Rathaus drei Regenbogenfahnen aus Solidarität gehisst werden sollten. „Mit dieser Geste will die Stadt Flagge zeigen für Toleranz und gegen Homophobie“, so Stadtsprecherin Andrea Middendorf.

Die Regenbogenfahne gilt als Zeichen der toleranz

  • Die Regenbogenfahne steht in zahlreichen Kulturen weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden. Sie gilt als Zeichen der Toleranz und Akzeptanz, der Vielfalt von Lebensformen, der Hoffnung und der Sehnsucht.
  • Hintergrund des geplanten Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt und in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament gebilligt wurde.
  • Klas Bömecke ist Journalist, arbeitete als Moderator unter anderem bei Pro Sieben und dem WDR, ist jetzt Gesellschafter der „Videomarketingfirma B2“.

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