Kanalschifffahrt

Kampf gegen die Zeit bei der Instandsetzung der Waltroper Schleuse

Der Dortmunder Hafen steht für sechs Wochen still. Grund ist das Nadelöhr in Waltrop: An der Schleuse Henrichenburg müssen dringend die gewaltigen Tore zum Unterwasser erneuert werden.
In der trockengelegten Schleusenkammer liegen die beiden 65 Tonnen schweren Flügel des Schleusentores. © Thomas Bartel

Der Bauablaufplan hängt wie ein kleiner Altar an der Wand das Containers: Projektleiter Markus Böhm weist auf die wichtigsten Daten hin: Die 65 Tonnen schweren Torflügel zum Unterwasser sind raus und liegen am Boden der gewaltigen Schleusenkammer, diese Woche beginnt die Korrosionsbekämpfung, schon am 3. September sollen die Tore wieder stehen und dann folgen die Feinarbeiten an den Lagern und Dichtungen. „Das ist echte Filigranarbeit“, betont er. Am 24. September soll der Dortmund-Ems-Kanal wieder freigegeben werden, sagt Böhm. „Und wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, damit das auch klappt.“

Bis zum 24. September kann kein Schiff fahren

Dass ein immenser Druck auf der bis zu 50 Mann starken Monteurs-Truppe lastet, ist verständlich. Schließlich sitzt der Dortmunder Hafen, einer der größten Binnenhäfen der Republik, solange quasi auf dem Trockenen, wie die Reparaturarbeiten in Waltrop dauern. Hier ist Zeit Geld – und die Schleuse Henrichenburg ist das Nadelöhr, das die Schiffe durchqueren müssen, um ans Ziel zu kommen. Bis zum 24. September läuft die Sperrung – und das sei absolutes Minimum, sagt der Ingenieur. „Bis dahin arbeiten wir rund um die Uhr. Noch liegen wir voll im Plan.“

Die Waltroper Schleuse steht offen. Mithilfe von 700-Tonnen-Autokränen der Firma Franz Bracht wurden die Tore durch die Luft bewegt und in die Kammer gelegt. © Thomas Bartel © Thomas Bartel

Verschleiß, weil das Bauwerk 30 Jahre alt ist

Wo liegen die Probleme bei der Schleuse, die den Schiffen hilft, den rund 14 Meter messenden Höhenunterschied in der Waltroper Bauerschaft Oberweise zu überwinden? „Das ist ganz normaler Verschleiß“, sagt Markus Böhm. Das Bauwerk ist 30 Jahre alt – und da seien Rostschäden an den Torflügeln ganz normal. Außerdem müssen die Lager der Tore und die Knaggen (das sind die Berührungspunkte in der Mitte) erneuert werden. Auch das Dichtungssystem werde komplett überarbeitet – und schließlich würden noch die Schwimmpoller modernisiert.

Ersatztor-Konzept für den Fall einer Havarie

Nein, Gefahr für Menschen bestehe nicht, betont Böhm – wie etwa bei den maroden Pollern aus der Kaiserzeit am Wesel-Datteln-Kanal (wir berichteten), die mittlerweile bekanntlich durch Festmacher aus Fleisch und Blut ersetzt werden mussten. Aber um die Funktionssicherheit zu gewährleisten, sei die regelmäßige Wartung nun einmal notwendig. Auch wenn der Dortmunder Hafen mächtig Druck mache, damit die Durchlässigkeit für die Schiffe in Waltrop schnell wieder gegeben sei. Sogar ein Ersatztor-Konzept würde aktuell erstellt, um im Falle einer Havarie in Waltrop eine Vollsperrung von acht bis neun Monaten zu verhindern.

Investition des WSA geht in die Millionen

Überdies gelte es, alte „Bausünden“ auszumerzen: So sei die Tore Anfang der 1990er-Jahre noch mit einem Anstrich versehen worden, der gefährliche PAK-Schadstoffe enthalte. Der werde nun entfernt. Beobachter sollten sich nicht wundern, wenn die Tore in den kommenden Tagen verhüllt werden, als wenn der Verpackungskünstler Christo persönlich hier am Werke wäre. „Ende September ist die Schleuse in einem technischen Zustand, der für viele Jahre halten wird“, ist sich der Mann vom Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich sicher. Die Investitionen gehen in die Millionen.

„Wir halten den Zeitplan ein“

Daten & Fakten

Der Waltroper Schleusenpark

Das älteste Bauwerk ist das alte Schiffshebewerk Henrichenburg. Es wurde zwischen 1894 und 1899 zur Anbindung des Dortmunder Hafens errichtet und war das erste seiner Art in Deutschland.

Mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals wurde eine Sparschleuse geplant und 1914 fertiggestellt, heute als Alte Schachtschleuse bezeichnet.

Nachdem 1962 das neue Schiffshebewerk in Betrieb genommen wurde, legte man 1969 das alte Hebewerk still.

1989 wurde eine neue Großschleuse errichtet – und 1991 vom damaligen Verkehrsminister Friedrich Zimmermann (CSU) eingeweiht. Im Jahr 2005 wurde das neue Hebewerk wegen technischer Mängel ebenfalls stillgelegt. Heute wird der gesamte Schiffsverkehr mit Mineralöl, Baustoffen oder Containern über die neue Schleuse abgewickelt.

Der komplette Schleusenpark steht in Waltrop, wurde aber einst mit dem Namen der nahen Ortschaft Henrichenburg versehen, die früher zum Amt Waltrop gehörte und heute ein Stadtteil von Castrop-Rauxel ist.

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