Ganz nah an den Ostvest-Grenzen

Mit Schlangenbrettern die Ringelnatter entdeckt

Gar nicht weit von uns gibt es sie doch – frei lebende Schlangen. Karsten Hannig aus Waltrop weiß das genau. Der Biologe hat sie mit Kollegen selbst nachgewiesen.
Seltenes Bild: eine Ringelnatter, gesichtet am 23. Mai in Flaesheim. © Prolingheuer

Schlangen seien ihm im Ostvest noch nicht in freier Wildbahn untergekommen, sagte Ulrich Kamp von Naturschutzbund NABU neulich auf unsere Anfrage zum „Tag der Schlange“. Wohl hat er Fotos von Blindschleichen, aber die sind ja keine Schlangen, auch wenn sie so aussehen, sondern gehören zu den Echsen, wie Kamp selbst erklärt.

Karsten Hannig, Diplom-Biologe aus Waltrop, hat den Artikel gelesen und kann eine Ergänzung machen. Nicht in Waltrop, Datteln oder Oer-Erkenschwick, aber doch in unmittelbarer Nähe gibt es nämlich frei lebende Schlangen. Das weiß er genau, er selbst war an einer systematischen Untersuchung der Sandabgrabung bei Haltern-Flaesheim zum Vorkommen von Amphibien und Reptilien beteiligt. Die fand 2017 bis 2019 statt und umfasste das Areal des eingezäunten Betriebsgeländes. Die Ergebnisse wurden in einem Fachartikel niedergeschrieben.

Zunächst war nur eine Ringelnatter bekannt

„Zum Zeitpunkt des Erscheinens Anfang dieses Jahres war nur ein Tier der Ringelnatter von dort bekannt“, berichtet Hannig. „Seit diesem Jahr wissen wir aber, dass es sich um eine kleine Population handelt.“

Zunächst hatte es in einem Fachartikel geheißen: „Belegte Einzelnachweise dreier weiterer Reptilienarten in den Jahren 2018 und 2019, einer Ringelnatter, einer Falschen Landkarten-Höckerschildkröte und einer Gelbwangen-Schmuckschildkröte, beruhen bei den Schildkröten offensichtlich auf Aussetzung, während der Status der Ringelnatter im Gebiet nicht abschließend geklärt werden konnte.“

Außerdem kann Hannig inzwischen bestätigen, dass im Bereich der ehemaligen Truppenübungsplätze Borkenberge und Lavesum sowohl die Kreuzotter als auch die Schlingnatter vorkommt.

Das ideale Versteck vor den Feinden

Wie gehen die Fachleute vor, um die Population zu ermitteln? „Wir verwenden sogenannte Schlangenbretter“, erklärt der 52-jährige freiberufliche Biologe, der auch seit fast drei Jahrzehnten ehrenamtlich naturschutzfachlich tätig ist. Schlangenbretter, das sind künstliche Verstecke, die in potenziellen Reptilienbiotopen ausgelegt werden. Sie dienen dazu, die Tiere nachzuweisen und zu kartieren. Reptilien suchen die Bretter nicht gezielt auf, sondern stoßen – etwa bei der Nahrungssuche – auf das aus ihrer Sicht „ideale“ Versteck. Da unter dem Brett für einige Reptilienarten beste Bedingungen herrschen, verlegen sie mit etwas Glück aus Sicht der Biologen quasi ihren „Lebensmittelpunkt“ unter ein solches Brett – und können dort bei Kontrollen, wie sie Hannig und seine Kollegen unternommen haben, nachgewiesen werden.

Sichtschutz vor Feinden unter dem Brett

Warum die Schlangenbretter so gut angenommen werden? Sie bieten einen Sichtschutz vor Feinden und günstige Möglichkeiten, die Körpertemperatur zu regulieren. „Und die Schlangen können sich auch oben auf das heiße Wellblechdach legen“, erklärt der Biologe.

Welches Verhältnis hat Karsten Hannig zu Schlangen? „Das eines professionellen Biologen, würde ich sagen. Sonst hätte ich ja auch den falschen Beruf“, sagt er lachend. Der Waltroper hat auch keine Probleme damit, Spinnen anzufassen oder andere Tiere, bei denen andere Mitbürger vielleicht an den Einsatz eines Hausschuhs denken. Seit 25 Jahren arbeitet er jetzt in der Landschaftsplanung und ist in der Umweltbildung tätig – und widmet sich darüber hinaus auch ehrenamtlich der naturschutzfachlichen Arbeit.

Titel des Fachbuches: Karsten Hannig (Hg.): Zur Fauna und Flora einer Sandabgrabung bei Haltern-Flaesheim, Band 94, Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Preis: 24,90 € + Porto (Paket).

Bezugsmöglichkeit: LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster, E-Mail: servicebuero.naturkundemuseum@lwl.org

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