Zechengelände Waltrop

Neue Hoffnung für den maroden Spurwerkturm

Der Spurwerkturm ist in Waltrop eine Landmarke, ein Wahrzeichen, ein Lieblingsort. Doch: Zurzeit kann ihn niemand betreten; das Bauwerk ist morsch. Aber jetzt gibt es Hoffnung.
Der Spurwerkturm auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Waltrop. © Tamina Forytta

Seit Herbst 2020 darf niemand mehr den Spurwerkturm auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Waltrop betreten. Das Bauwerk ist marode, hatte sich herausgestellt. Das bekümmert die Waltroper, die den Spurwerkturm lieben: An Silvester ist er die Anlaufstelle schlechthin, um das Feuerwerk zu beobachten und gemeinsam mit Freunden aufs neue Jahr anzustoßen. Nirgendwo kann man so gut über die Stadt schauen wie vom Spurwerkturm aus. Zahllose Fotos im sozialen Netzwerk Instagram zeugen zudem davon, dass der Turm auch bei Auswärtigen als Motiv ein Renner ist.

Gesperrt seit September 2020

Aber zurzeit sperrt eben ein Gitter den Zugang auf den Turm. Im September 2020 hatte der Ver- und Entsorgungsbetrieb (V+E) nach dem Hinweis eines Bürgers selbst den Turm und vor allem die Plattform in Augenschein genommen und dann die Sperrung veranlasst. Ein Gutachter, der später die Sache untersuchte, bestätigte, dass das die richtige Entscheidung war. Denn das Holz – es handelt sich um Bongossi-Holz, auch Eisenholz oder Afrikanische Eiche genannt – war morsch geworden.

Der Zugang zum Spurwerkturm ist seit vergangenem Herbst gesperrt. © Tamina Forytta © Tamina Forytta

Nun musste guter Rat her, wie man den Spurwerkturm wieder begehbar machen könnte. Zwei Varianten stehen zurzeit im Raum, erklärt Michaela Heßelmann von der Stadtverwaltung. Vorgeschlagen hat sie das Büro, das auch das Gutachten erstellt hat. Vereinfacht formuliert könnte man entweder die Hölzer, die besonders stark in Mitleidenschaft gezogen sind, durch neue ersetzen. Das wird allerdings eine teure Angelegenheit, denn die Holz-Preise sind generell hoch zurzeit und Bongossi-Holz ist noch einmal extra-kostspielig.

Ein sogenannter Mero-Knoten hält die einzelnen Holzpfosten zusammen. © Tamina Forytta © Tamina Forytta

Aber es gibt auch noch die Möglichkeit, sozusagen einen Stahlträger mit dem vorhandenen Holz zu ummanteln und so wieder für genug Stabilität zu sorgen. Man sei bezüglich der Planung natürlich auch mit dem „Turmvater“, dem Künstler Jan Bormann, im Gespräch. Bormann hatte den Turm einst ersonnen, durchgesetzt und erbaut, und er hat also ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, was die Zukunft „seines“ Spurwerkturms angeht. Zumal er wie kein zweiter den Spurwerkturm und seine sehr spezielle Konstruktionstechnik kennt, wie Michaela Heßelmann unterstreicht – unter anderem sind die einzelnen Hölzer mittels sogenannter „Mero-Knoten“ verbunden (siehe unten). „Das ist ganz wichtiges Know-how, das er mitbringt und das während der Sanierungsphase helfen wird“, führt sie weiter aus.

Jan Bormann baute den Turm

  • Der Spurwerkturm, der eine Höhe von 20 Metern hat und auf der Halde Brockenscheidt errichtet wurde, ist eine Idee des Castrop-Rauxeler Künstlers Jan Bormann.
  • Bormann ist gelernter Steinbildhauer und hat mit zahlreichen künstlerischen Projekten, vor allem im Ruhrgebiet, auf sich aufmerksam gemacht. Für den Spurwerkturm verwendete er rund 1000 Meter Spurlatten aus Bongossi-Holz. Zuvor hielt dieses besonders harte Holz in den Bergbauschächten die Förderkörbe in der Spur.
  • Im Jahr 1997 gab die IBA (Internationale Bauausstellung) den Startschuss für das Projekt, 1999 ging es dann endlich los mit dem Bau des Spurwerkturms in Waltrop.

Aus Michaela Heßelmanns Sicht ist die „Ummantelungs-Variante“ sehr attraktiv – zumal sie auch ressourcenschonend sei und mit ihr die Ursprungs-Hölzer, die einst unter Tage treue Dienste leisteten, weitergenutzt werden könnten. Von den 172 im Turm verbauten Spurlatten seien etwa 25 Prozent nicht mehr tauglich für ihre „tragende Rolle“. Hinzu kommt das Holz der Plattform, schildert Michaela Heßelmann. Sprich: 43 Hauptstreben müssen ersetzt werden, so Heßelmann. Abschließende Kostenschätzungen würden noch erfolgen, aber 180.000 Euro seien bereits in den Haushalt eingestellt, und sie sei optimistisch, dass das für die Reparatur-Arbeiten auch ausreichen werde.

Stichwort Mero-Knoten

Der Spurwerkturm ist nach einem komplizierten Plan konstruiert. Dort, wo die einzelnen Pfosten aufeinandertreffen, werden sie von sogenannten Mero-Knoten gehalten, erklärt Michaela Heßelmann.

Mero, das steht für Mengeringhausen-Rohrbauweise, was auf Max Mengeringhausen zurückgeht, der im Jahre 1928 das Unternehmen Mero gründete. Beim Mero-Knoten laufen Stahlrohre, die an den Enden zugespitzt sind, in einem kugelförmigen Verbindungselement zusammen. Das System gilt als äußerst variabel, und es kommt ohne Schweißen aus.

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