MINT-Projekte

Patentanwalt rät: Waltroper Schülerideen lieber gut absichern

In den Technik- und Naturwissenschafts-Kursen am Theodor-Heuss-Gymnasium Waltrop ist schon manche Erfindung ans Tageslicht gekommen. Jetzt rät ein Patentanwalt, die Ideen schützen zu lassen.
Stefan Baunack, Lehrer Dirk Schulz und Moncif Souhali präsentieren ihr jüngstes Projekt, eine sprechende Hand. © Tamina Forytta

Im Zusammenhang mit Covid-19-Impfstoffen wird der Patent-Schutz gerade heiß diskutiert. Auch am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) sind Patente jetzt zum Thema geworden, denn immer wieder entstehen in den MINT-Kursen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) Ideen, bei denen auch Profis den Hut ziehen.

Hochtechnisiert laufen die Projekte am THG Waltrop mittlerweile ab. © privat © privat

Durch Zufall hat ein alter Studienkollege von MINT-Lehrer Dirk Schulz jetzt einen Fernsehbeitrag über die Projekte gesehen, die am THG entwickelt werden. Und er nahm direkt Kontakt zu Dirk Schulz auf. „Wir hatten sicher zehn Jahre keinen Kontakt mehr“, erzählt Schulz. Mit Dr. Henning Sternemann saß er einst an der Uni Dortmund in einem Büro, beide studierten damals Physik. Sternemann promovierte später in experimenteller Festkörperphysik und ließ sich dann zum Patentanwalt ausbilden. Und in dieser Eigenschaft rief er seinen ehemaligen Studienkollegen Schulz an. Patentschutz sei eine wichtige Angelegenheit, so Sternemanns Appell. „Er will uns künftig helfen, dass wir die Dinge, die in Projektkursen entstehen, auch vernünftig absichern“, sagt Dirk Schulz. „Henning Sternemann sagte zu mir, er habe den Beitrag über den Gebärdenhandschuh gesehen und dabei gedacht: ,Hoffentlich haben die ein Patent angemeldet.‘“ Denn das geschehe immer wieder, dass Schüler gute Ideen entwickelten und dann jemand anders dabei Reibach mache.

Vorträge vom Fachmann für Waltroper Schüler

Mit den THG-Ideen soll das nicht passieren, und so habe Dr. Henning Sternemann angeboten, für die Schüler einen Vortrag zum Thema Patentschutz zu halten und entsprechende Unterlagen vorzubereiten. Zum Beispiel gelte es auch, Schülergruppen rechtlich abzusichern. Denn denkbar wäre ja auch dies: Einige Schüler tüfteln eine Sache aus, und einer von ihnen verdient sich später eine „goldene Nase“ mit der Idee, die eigentlich gemeinsam entwickelt wurde.

Der Gebärdenhandschuh ist das jüngste Projekt, das aus den MINT-Kursen am THG prämiert wurde, unter anderem mit einem ersten Platz beim Jugend-forscht-Regionalwettbewerb. Es handelt sich um einen Handschuh, der Gebärdensprache umsetzt in gesprochenes Wort. Aber es hat am THG auch schon einen sprachgesteuerten Roboter-Arm gegeben: Der reagiert auf Sprache und könnte, wenn man die Idee zu Ende denkt, zum Beispiel Querschnittsgelähmten als Assistenzsystem helfen.

  • Zur sache
    die Rütgers-stiftung
  • Die Rütgers-Stiftung ist im Jahr 1999 gegründet worden – zum 150-jährigen Firmengeburtstag der Rütgers-Gruppe, eines Chemie-Unternehmens. Die Stiftung möchte helfen, Naturwissenschafts- und Technik-Unterricht an Schulen attraktiver zu machen. Dazu schüttet sie immer wieder auch Fördergeld aus – insgesamt mittlerweile etwa 1,6 Millionen Euro. Rund 400 Projekte seien bislang gefördert worden, sagt Stiftungs-Geschäftsführer Ralph Gorski.
  • Die Rütgers-Stiftung ist bundesweit tätig, etwa die Hälfte der Fördermittel flössen aber in Projekte im Ruhrgebiet, so Gorski.
  • Ans THG in Waltrop flossen jetzt insgesamt 10.200 Euro für zwei Projekte, darunter das Drohnenprojekt und „Theos_Tec_Lab 4.0“, bei dem es darum geht, mit einem Lasercutter zu arbeiten.

Dass es sich bei den THG-Projekten um weit mehr als um „Spielereien“ handelt, verdeutlicht auch die Kooperation mit der Rütgers-Stiftung. Mit der Stiftung arbeiten die Gymnasiasten seit Neuestem an einem Drohnen-Projekt. Denn an den Produktionsanlagen im Rütgers-Chemiewerk – immerhin sei das etwa 100 Fußballfelder groß, sagt Stiftungs-Geschäftsführer Ralph Gorski – überwachen zwar jede Menge Sensoren die einzelnen Einheiten. Aber man wolle das noch sicherer machen und setze daher auf Drohnen. Und da kommen die Schüler ins Spiel. Die sollen nämlich den Drohnen-Einsatz mitentwickeln. Der Gedanke dahinter sei, mit den Schülern an etwas zu arbeiten, das in der Realität auch eingesetzt werde – ein Projekt, das direkt an den betrieblichen Alltag andockt. Die Drohnen soll später einmal vollautomatisiert überwachen, das nirgendwo ein „Leck“ auftritt. Das werde natürlich schon jetzt überwacht, unterstreicht Gorski. Aber es gehe darum, proaktiv zu überwachen, wo chemische Stoffe austreten könnten – und nicht reaktiv.

Für Dirk Schulz und seine Schüler ist das jedenfalls ein spannendes Projekt. „Das ist jetzt ein richtiger Auftrag“, sagt Schulz. „Und es fühlt sich auch so an.“

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