Tinkhofstraße

Schock am Zebrastreifen: Erst fast angefahren, dann beleidigt

Ein Spaziergang zum Büdchen hätte für Suelen Chatterjee (28) und ihre Tochter (4) beinahe ein böses Ende genommen. An einem Zebrastreifen kam es fast zu einem Unfall – und zu Beleidigungen.
Suelen Chatterjee und ihre Tochter wären am Zebrastreifen an der Tinkhofstraße beinahe angefahren worden. © Meike Holz

Zum Kiosk um die Ecke gehen die Waltroperin Suelen Chatterjee und ihre Tochter, die gerade vier Jahre alt geworden ist, häufiger. Doch das, was ihnen am Montagnachmittag auf dem Weg dorthin passiert ist, werden die beiden so schnell nicht vergessen. Gemeinsam mit der Schwägerin und deren zweijähriger Tochter sind sie an der Tinkhofstraße unterwegs und wollen den Kiosk „Unsere Bude“ ansteuern. Dazu muss das Vierer-Gespann die Straße überqueren und entscheidet sich, den Zebrastreifen, der genau vor dem Büdchen liegt, zu nutzen. Als kein Auto in Sicht ist, betreten sie die Fahrbahn. „Wir hatten schon zwei Schritte auf dem Zebrastreifen gemacht, als plötzlich ein Auto angeschossen kam“, sagt die 28-jährige Waltroperin.

Eine Warnung kann Schlimmeres verhindern

Nur durch eine Warnung ihrer Schwägerin, die ein Stück hinter ihr gegangen sei, habe sie mit ihrer Tochter an der Hand einen Riesenschritt zurück gemacht – und vermutlich einen Zusammenstoß verhindert. Die Autofahrerin, die von der Straße „Im Sauerfeld“ auf die Tinkhofstraße gefahren kam – dort gilt übrigens im gesamten Bereich Tempo 30 – hält daraufhin an, lässt das Fenster herunter. Suelen Chatterjee und ihrer Tochter steckt der Schock in den Gliedern. Sie sei aufgebracht gewesen, berichtet die junge Frau im Gespräch mit unserer Redaktion und habe zunächst „Was soll das?“ in Richtung der Autofahrerin gerufen. Die Frau am Steuer entschuldigt sich daraufhin – zunächst. Doch es fliegen weitere Worte zwischen Bürgersteig und Auto hin und her, erzählt Suelen Chatterjee. „Was bringt eine Entschuldigung, wenn das hier schief gegangen wäre“, ruft die 28-Jährige wütend.

Rassismus: Am Zebrastreifen und auf dem Parkfest

Was dann folgt, macht Suelen Chatterjee an diesem Nachmittag abermals fassungslos. „Ist Ihr Land nicht groß genug?“, habe die Autofahrerin ihr entgegengerufen und sei dann davongefahren. „Ich glaube, sie wusste einfach nicht mehr, was sie sagen sollte und dann ist sie halt beleidigend geworden“, sagt Suelen Chatterjee. Oft hat sie solche rassistischen Beleidigungen in Waltrop noch nicht erlebt, wie sie sagt. Suelen Chatterjee hat brasilianische Wurzeln, wurde adoptiert und lebt in Waltrop, seit sie drei Jahre alt ist. Und doch komme Alltagsrassismus ab und zu vor, wie nun am Zebrastreifen. „Oder einmal auf dem Parkfest“, erinnert sich die Waltroperin. „Da wollte ich mir an einem Stand eine Bratwurst holen und wurde einfach nicht bedient – obwohl ich offensichtlich dort angestanden habe“, erzählt sie.

Der Zebrastreifen an der Kreuzung Tinkhofstraße/Bismarckstraße/Im Sauerfeld. © Meike Holz © Meike Holz

Für die 28-Jährige und ihre Familie geht es jetzt darum, das Erlebte zu verdauen. Vor allem die quirlige Vierjährige beschäftigt der Vorfall auch am Tag danach noch sehr. „Das macht mich so wütend, sie versteht ja gar nicht richtig, was passiert ist“, sagt die junge Mutter.

Etwas mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr

Eigentlich fühle sie sich im Straßenverkehr in Waltrop recht sicher, sagt Suelen Chatterjee. Dennoch würde sie sich ein wenig mehr gegenseitige Rücksichtnahme von allen Verkehrsteilnehmern wünschen, gerade wenn es um Kinder geht. „Kinder sind unberechenbar“, sagt die Zweifach-Mama. Nicht selten passiere es, dass sie sich mal losreißen oder plötzlich in eine andere Richtung laufen. Deshalb macht sie ihr Erlebnis am Zebrastreifen auch öffentlich, postet die Geschichte unter anderem im sozialen Netzwerk Facebook. Sie will damit zu mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr aufrufen. Zur Anzeige gebracht hat die junge Waltroperin den Vorfall übrigens nicht. In der Aufregung hätten weder sie noch ihre Schwägerin sich das Kennzeichen der Autofahrerin gemerkt.

Verhalten am Zebrastreifen

Wie verhalten sich Autofahrer und Fußgänger am Zebrastreifen richtig? Wir haben bei der Polizei nachgefragt: Ein Zebrastreifen, oder Fußgängerüberweg, wie die Polizei ihn häufig nennt, soll Fußgängern das sichere Überqueren einer Straße möglich machen. Fußgänger haben am Zebrastreifen Vorrang vor dem fließenden Verkehr, erklärt Polizeisprecher Andreas Lesch. Das bedeutet: Fahrzeuge müssen am Zebrastreifen anhalten, wenn ein Fußgänger dort hinübergehen möchte. Mehr noch: Verkehrsteilnehmer müssen bereits beim Draufzufahren des Fußgängerüberwegs erkennbar machen, dass sie anhalten werden. Will heißen: Geschwindigkeit rausnehmen, abbremsen. Autofahrer, die das nicht tun, begehen eine Ordnungswidrigkeit. Bußgeld: 80 Euro.

Was gilt eigentlich am Zebrastreifen? Nicht jeder Verkehrsteilnehmer hat das Wissen darüber parat. © Meike Holz © Meike Holz

Werden Personen verletzt oder gefährdet, kann das Bußgeld nochmal höher ausfallen, wie Lesch erklärt.

Radfahrer müssen am Zebrastreifen übrigens absteigen und schieben. Vorrang am Zebrastreifen haben nur Verkehrsteilnehmer, die zu Fuß unterwegs sind. Doch auch Fußgänger, die den Zebrastreifen nutzen wollen, sollten einiges beachten: „Man muss den Verkehr im Auge behalten“, sagt Polizeisprecher Lesch. Einfach blindlings über den Zebrastreifen laufen, gehe nicht. Auch Verkehrsteilnehmer am Fußgängerüberweg aus Höflichkeit immer „durchzuwinken“, sei auf Dauer ein falsches Signal. Fußgänger sind auch Verkehrsteilnehmer, betont Lesch. Wohlgemerkt die Schwächsten. Deshalb gelte an Fußgängerüberwegen wie auch im gesamten Straßenverkehr das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme, das alle Beteiligten bei ihrem Verhalten zugrunde legen sollten.

Der Abend in Waltrop

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt