V+E reagiert auf Kritik

Starkregen: Größere Abwasser-Rohre werden auch in Waltrop eingebaut

Das Thema Starkregen ist durch die Hochwasserkatastrophe der vergangenen Tage wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Aber wie groß ist die Gefahr, und was wird bereits in Waltrop getan?
Bei Starkregen muss die Kanalisation einiges verpacken können. © Meike Holz

Als „kontraproduktiv“ und „für einen Starkregenwasserschutz nicht zielführend“ hat unser Leser Udo Rapp kürzlich in einem Leserbrief die Planungen für das Kanalisations-System in der Stadt Waltrop bezeichnet.

Frank Friedrich ist beim Ver- und Entsorgungsbetrieb (V+E) Waltrop – der V+E nimmt für die Stadt Waltrop die Abwasserbeseitigungs-Pflicht wahr – für die Kanalisation zuständig, und er möchte die Vorwürfe so nicht stehen lassen.

Neubaugebiete und die Kanalisation

Immer mehr Neubaugebiete würden an die bestehende Kanalisation angeschlossen, bemängelt unser Leser, aber die sei doch schon heute nicht in der Lage, Starkregen aufzunehmen.

Frank Friedrich unterstreicht indes, dass seit den 1990er-Jahren alle Neubaugebiete – etwa der Große Kamp oder der Altenbruch – im Trennsystem erschlossen werden. Sprich: Früher flossen sowohl das Regenwasser wie auch das häusliche Schmutzwasser aus Toilette, Spülbecken, Dusche und Co. in ein Rohr. Heute gibt es zwei getrennte Rohre: eines für Schmutz- und eines für Niederschlagswasser.

Im Landeswassergesetz sei überdies vorgeschrieben, dass das Niederschlagswasser von den Grundstücken, die neu bebaut werden, vor Ort versickert oder verrieselt werden müsse, fügt Friedrich hinzu.

Leser Udo Rapp fragt überdies, warum man die Querschnitte der Kanalisationsrohre nicht vergrößern wolle.

Genau das werde doch schon getan, unterstreicht Frank Friedrich.

Erst Anfang des Jahres sei beispielsweise die Kanalisation unter der Veiinghofstraße verbreitert worden. Zuvor hatten die Rohre einen Durchmesser von 20 bis 40 Zentimetern, die neuen messen 60 Zentimeter. An der Sandstraße sowie in der Vogelsiedlung sind ebenfalls schon größere Rohre eingebaut worden. Im kommenden Jahr sei der Bereich „Am Schwarzbach“ dran. „Wenn sich Bereiche herausstellen, wo die Kanalisation überlastet ist oder wo die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht erfüllt werden, werden wir tätig“, so Frank Friedrich.

So romantisch kann sie aussehen, die Lippe bei Waltrop. Doch bei Starkregen tritt auch sie über die Ufer. © Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

Er weist erneut darauf hin, dass Kanäle nicht beliebig groß gemacht werden können. „Das geht allein technisch nicht.“

Wie berichtet, lässt zudem der V+E momentan ein Starkregenkonzept erarbeiten. In den Überlegungen dafür gehe man von Fällen aus, in denen die Kanalisation komplett voll sei, erläutert Frank Friedrich; es gehe um Überflutungsschutz.

Wohin kann das Wasser fließen?

Vereinfacht gesprochen will man schauen, wo das Wasser hin kann, wenn extrem viel Regen fällt. Der Blick richtet sich auf sogenannte „Hotspots“, also Bereiche, die bei Starkregen besonders gefährdet sind. Das Konzept sei in Arbeit, werde voraussichtlich in diesem Jahr fertig, erklärt Frank Friedrich. Das alleinige Aufzeigen von „Hotspots“ bringe aber dem Bürger nichts, meint unser Leser Udo Rapp.

Gefahren vermeiden mit allen Beteiligten

Selbstverständlich werde auch geschaut, was konkret getan werden kann, um Gefahren zu vermeiden, verdeutlicht Friedrich. Dabei würden alle beteiligt: die Stadt und der V+E, Versorger im Bereich Wasser, Gas, Strom, Telekommunikation, Feuerwehr, Ordnungsamt und auch Grundstückseigentümer.

Wenn sich beispielsweise herausstelle, dass der Straßenbaulastträger etwas tun kann, das Starkregen-Wasser dorthin zu führen, wo es niemanden stört, dann werde das eben auch berücksichtigt.

Oder wenn das Telekommunikations-Unternehmen sage: Da und da ist ein Schaltkasten, wenn der unter Wasser ist, dann hat halb Waltrop kein Telefon und kein Internet – dann werde eben erarbeitet, wie man den Kasten absichern könne. Aber es würden eben auch Bürger beraten, etwa wenn ihr Kellerniedergang droht zu überfluten und welche Maßnahmen möglich sind.

Beratungsangebot für Bauherren

Frank Friedrich weist in dem Zusammenhang auf das Beratungsangebot für Bauherren und Hausbesitzer hin. Er ist selbst zertifizierter Berater für Grundstücks-Entwässerung: „Jeder kann vorbeikommen“, bietet er an (Kontakt-Telefonnummer: 02309/9599-0).

Umweltministerium weist auf Steckbriefe hin

Unterdessen macht das Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz auf die sogenannten „Kommunensteckbriefe zum Hochwasser-risiko-Managementplan“ aufmerksam. Mithilfe dieser Steckbriefe kann man erkennen, wo konkret Gefahren und Risiken durch Hochwasser bestehen. Für Waltrop sind auf der dazugehörigen Karte die Lippe an der Stadtgrenze zu Selm-Bork sowie der Groppenbach ganz im Süden an der Stadtgrenze zu Dortmund als „Risikogewässer“ markiert.

Für den Steckbrief werden drei Unwetter-Fälle betrachtet: ein Hochwasser, das im statistischen Mittel alle fünf bis 20 Jahre auftritt, ein „Hochwasser mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit“ – es kommt im Schnitt alle 100 Jahre einmal vor – und ein „extremes Hochwasser“, das statistisch gesehen seltener als alle 100 Jahre geschieht.

Überwiegend landwirtschaftliche Flächen betroffen

Die Lippe, das sagt der Steckbrief, überflute in ersterem Falle „überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen“. Bei Hochwassern mit mittlerer und niedriger Wahrscheinlichkeit seien zusätzlich einzelne Hoflagen betroffen.

Ähnliches gilt für den Bereich im Süden der Stadt am Groppenbruch.

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