„Zukunft Stadtgrün“

Waltrops Moselbachpark: Ein neuer Sehnsuchtsort mitten in der Stadt

Viele Jahre besuchten Waltroper den Moselbachpark nur beim Parkfest. Sonst zog sie kaum etwas dorthin. Das hat sich geändert: Nach umfangreichen Arbeiten ist er frequentiert wie lange nicht.
Der an vielen Stellen umgestaltete Moselbachpark ist ein neuer Anziehungspunkt für die Bürger geworden. Das Wetter der letzten Tage sorgte dafür, dass das Grün an allen Ecken und Enden sprießt. Entsprechend viel muss gemäht werden. © Meike Holz

Übel riechendes Gewässer, holprige Wege – diese dazu noch schlecht beleuchtet, wodurch Angsträume entstanden. Den Moselbachpark betraten viele Bürger jahrelang nur noch, wenn das Parkfest stattfand. Ist dieses Image von Waltrops grüner Lunge nach den umfangreichen Arbeiten überholt? Wir trafen uns mit den städtischen Mitarbeiterinnen Michaela Heßelmann und Claudia Ritzmann, die für das Stadtgrün zuständig sind, zu einem Spaziergang.

„V+E-Mitarbeiter sind mit Feuereifer dabei“

Wir starten am Edeka-Parkplatz und schlendern den linken Weg entlang. Auf dem Weg dorthin begegnen uns mehrere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Ver- und Entsorgungsbetriebs (V+E). Sie mähen die bis an den Horizont reichenden Rasenflächen. Ein Kollege hat die Aufgabe, auch in den Ecken das zu dieser Jahreszeit sprießende Grün in dessen Schranken zu weisen. Mit viel Krach. Wir müssen unser Gespräch kurz unterbrechen. Dann ist der Rand um den Mülleimer gekürzt. Der V+E-Mitarbeiter hebt das Visier, lächelt, als wolle er sich entschuldigen. Das muss er nun wahrlich nicht. „Der V+E hat hier aus wild wachsendem Grün was Tolles geschaffen. Die Mitarbeiter sind mit Feuereifer dabei, das ist ein schönes Zusammenspiel“, freut sich Michaela Heßelmann. Auch, dass sie Angsträume beseitigt haben, indem Böschungen gelichtet wurden.

Robuste Liegen laden zum Schmökern ein

Wir kommen an der Boulefläche vorbei und erreichen den Lesegarten. Große Holzliegen laden ein, Platz zu nehmen, die Seele baumeln zu lassen. Die Blüten von drei Kirschbäumen schimmern wunderschön, regen die Fantasie an. Schade, dass ich dienstlich unterwegs bin. Am liebsten würde ich mich dort mit meinem Buch hinlegen und so schnell nicht wieder aufstehen. Eine junge Familie sitzt auch dort. Das Baby im Kinderwagen ist eingeschlafen. Die müden Eltern holen tief Luft, sind froh um diese Auszeit.

„Wir kommen gerne hier her“

Wir gehen weiter, zum „Street-Workout“. Hier tobt sich Mika aus. Mama Anke Rosendahl hat an diesem Tag frei. Die Aufgaben für die Schule sind erledigt. „Wir kommen gerne hier her“, erzählt die Mutter.

Eigentlich ist dieser Parcours mit unterschiedlichen Fitnessgeräten für Sportler ab 14 Jahren gedacht. Doch er wird auch von Jüngeren genutzt. Vor allem nachmittags, in der Freizeit. Als Ersatz für den Sport im Verein, der derzeit fast zu 100 Prozent brach liegt. „Ich habe das Gefühl, dass fast jede Klasse ihren Sportunterricht schon hier hin verlegt hatte, als es noch den Präsenzunterricht gab“, sagt Michaela Heßelmann.

Wir laufen weiter zum Jugendbereich. Die überdachten Sitzmöglichkeiten werden sehr gut angenommen. Auf dem Basketballfeld trainiert ein Mitt-Dreißiger seine Freiwurftechnik. Weiter versetzt stehen die Tischtennisplatten. An ihnen wird der Tischtennisverein Waltrop im Sommer mehrere Turniere ausrichten. Für Hobbyspieler genauso wie für Vereinscracks. Eine schöne Idee in Zeiten geschlossener Sporthallen.

Türen der Alm bleiben (noch) geschlossen

Die geschlossenen Fenster und die verwaiste Terrasse der Moselbach-Alm holt uns zurück in die Corona-Wirklichkeit. Sie wird geschlossen bleiben, bis die Politik ihr grünes Licht für die Öffnung der Gastronomie gibt.

Auf dem Weg am Tennisverein vorbei erzählt Michaela Heßelmann von dem Förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“. 2016 wurde der Park in das Stadtentwicklungsprojekt integriert. „Es wurde ein wunderbares Beispiel für gelebte Bürgerbeteiligung“, betont Michael Heßelmann.

Diesen Graureiher entdeckte unser Leser Wolfgang Gerhardus am Teich des Moselbachparks und sandte uns das Bild zu. Außerdem entdeckte er noch eine Stockenten-Mama, die ihre neun sehr jungen Küken behütete. © Privat © Privat

Im Fokus stand die Verbesserung der Wege. Am Anfang gab es viel Kritik für die Wahl der hellen Oberfläche. „Ich denke, dass die Leute davon ausgingen, dass diese helle Schicht immens teurer war als zum Beispiel eine schwarze. Und dass sie empfindlicher ist für Dreck.“ Mittlerweile sei die Kritik längst verstummt. Im Gegenteil: Skater und Rollschuhfahrer finden die Oberfläche toll, die Rollen summen regelrecht darüber. Und ihr Anblick ist erfrischend. Auch der Wunsch nach mehr Sitzmöbeln wurde erfüllt: Auf dem elf Hektar großen Parkgelände standen einst acht Bänke, jetzt sind es über 45. Es wurden weitaus auch mehr Laternen aufgestellt.

Wir kommen am Teich vorbei. Hier wurden drei Holzstege an das Ufer gebaut. Auch an diesem Morgen sitzt dort ein Paar, schaut den Gänsen und Enten zu und lauscht dem sprudelnden Wasser aus den Fontänen.

KiJuPa hatte viele Ideen

Auch bei der Gestaltung des „Bike-Parks“ hatte sich das Kinder- und Jugendparlament engagiert eingebracht. Hier zeigt sich, mit welcher Hingabe die beiden städtischen Mitarbeiterinnen die Umsetzung der einzelnen „Bausteine“ betreut haben. Sie kennen hier jeden Sand-Huckel und die Wege genau, über die die Jugendlichen mit ihren Rädern preschen. Ein Stück weiter sehen wir die Hundewiese. Dort tollt ein dunkler Mischling mit seinem Frauchen.

Die geräumigen Liegen im Lesegarten laden zum Schmökern ein. Claudia Ritzmann (l.) und Michaela Heßelmann nahmen schon einmal Platz. © Meike Holz © Meike Holz

Wir kehren um, entdecken eine große Fläche, auf der bald tausende Blumen wachsen werden. Die Samen sind bereits eingearbeitet. Jetzt warten sie auf Wärme und Regen, um möglichst bald einen Sommergruß den Besuchern zu schicken, die den Park von Osten her betreten.

Auf dem Spielplatz ist auch an diesem Vormittag einiges los. Die Kleinsten klettern, matschen und träumen. Ein schönes Bild. „Hier hatten wir einen Hinweis bekommen, dass es nicht möglich sei, mit dem Rollstuhl alle Werkzeuge am Sandtisch nutzen zu können. Wir konnten hier die Steinfläche erweitern, so dass sie nun auch mit einem Rolli problemlos zu erreichen ist“, schildert Claudia Ritzmann.

Ein neuer Erlebnisort für die Stadt

Wir schlendern zurück zum Ausgangspunkt. Das überall sprießende Grün, die Sonne, die auf der Nase kitzelt, glücklich wirkende Spaziergänger begegnen uns: ein herrlicher Moment. Michaela Heßelmann, die seit 1987 in Waltrop arbeitet, sagt: „Der Park hatte immer eine wichtige Funktion für die Stadt. Aber nach der Umgestaltung ist er ein Erlebnisort geworden – mit Angeboten für Menschen aller Altersgruppen.“ Sie freut sich, dass der Park eine Renaissance erlebt und so gut angenommen wird. „Für mich ist er ein Landschaftspark geworden. Ich finde ihn grandios. Ich bin glücklich darüber und auch stolz.“

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