Frank Schwabe an der Oberwieser Brücke

Wer hat die Handynummer von Andreas Scheuer?

Ortstermin an der Oberwieser Brücke: Der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete erliegt nicht der Versuchung, im Wahljahr große Versprechen zu machen.
Frank Schwabe will sich des Brücken-Themas annehmen. © Büro Schwabe

Recht rege ist der Verkehr über die Oberwieser Brücke, während sich dort der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe zum Ortstermin mit Lokalpolitikern und Bürgern trifft. Ein E-Auto mit einer Reihe Wackel-Figuren im Fenster wird gesichtet, ein Taxi mit Herner Kennzeichen, mehrere Radfahrer. Aber kein Fahrzeug mit einer Höhe von mehr als 2,50 m. Die können die Brücke nämlich nicht mehr nutzen, das Portal wurde entsprechend abgesenkt. Das Bauwerk sei zu marode, sagt die Behörde. Ein großes Ärgernis ist das für die Anlieger und Landwirte, schlecht kommuniziert wurde das Thema von der Wasserstraßen-Behörde, die beim Bund ansässig ist, zudem. Deshalb hat sich die Gruppe hier versammelt.

Schwabe will den Leuten mit seinen Kontakten auf Bundesebene helfen, aber er macht ihnen keine großspurigen Versprechungen. Er hatte die verkehrspolitische Sprecherin seiner Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, nach Waltrop gelotst, als es mit der Hebewerksbrücke nicht voranging. Beschleunigt habe das die Sache am Ende leider auch nicht, bekennt Schwabe freimütig. Diesmal hat er dem Bundesverkehrsminister in Sachen Lohburger Brücke einen Brief geschrieben, aber dass der CSU-Mann ausgerechnet im Bundestagswahlkampf nach Waltrop kommt, um an einer Mini-Brücke einem Termin mit dem örtlichen SPD-Abgeordneten zu absolvieren, daran glaubt auch der größte Optimist nicht. Kirsten Lühmann sei indes jederzeit bereit, wiederzukommen, wenn das trotz des Misserfolgs in Sachen Hebewerkbrücke noch gewünscht sei. Doch, das könne ja nur helfen, antworten auch die, die nicht Schwabes Parteibuch haben.

Vielleicht kann Hendrik Wüst helfen?

Er habe so manche Handynummer von Bundesministern, aber von keinem, der in dieser Sache dienlich sein könnte, sagt Schwabe. Vielleicht könne aber die CDU helfen: Die hat demnächst Landesverkehrsminister Hendrik Wüst zu Gast, und der sollte doch einen kurzen Draht zu seinem Amtskollegen Andy Scheuer im Bund haben… CDU-Stadtverbands-Chef Ludger Finke steht neben Schwabe und will sich kümmern. Fest steht: Wenn man hier etwas erreichen will, geht das nur parteiübergreifend.

Wichtiger aber als ein öffentlichkeitswirksamer Besuch eines Ministers oder Staatssekretärs wäre ohnehin jemand von der Fachebene der Behörde. Dafür genau will Schwabe sorgen: Dass beim nächsten Ortstermin eine zuständige Person Rede und Antwort steht. Es müsse bei den Verantwortlichen klar werden, dass es hier nicht um eine einzelne mickrige Brücke gehe, sondern dass man die diversen Bauwerke zusammen betrachten müsse, um zu verhindern, dass Waltrop durch Brücken-Baustellen zur Insel werden. Immerhin das also sagt der Abgeordnete zu: Wenn man sich hier in vier bis sechs Wochen wiedersehe, werde man nicht nur unter sich sein.

Die Sache mit der Bladenhorster Brücke

Was kann man einstweilen tun? Was das Brücken-Gutachten genau aussagt, weiß vor Ort niemand, Akteneinsicht war aber beantragt. Vielleicht ist das Gutachten noch nicht das letzte Wort? Es gibt das Beispiel der Bladenhorster Brücke in Castrop-Rauxel. Die wurde erst für Schwerlastverkehr gesperrt, dann nach einer erneuten Prüfung 2106 doch wieder freigegeben. Das für das erste Gutachten zuständige Ingenieurbüro sei „sehr vorsichtig“ bei seiner Beurteilung gewesen, begründete das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt damals. So erfreulich das Ergebnis war, so sehr hat sich Schwabe geärgert, wie die Sache gelaufen ist.

Sich ärgern – das tut auch ein Zuhörer beim Ortstermin, als Ludger Finke allzu heftig auf die Wasserstraßen-Verwaltung schimpft. Die sei überbesetzt und ineffizient. Der Mann erinnert daran, dass die Brücke ohne Vorwarnung zusammenstürzen könnte, wenn man sie nicht entlaste. Wer denn dafür geradestehen wolle, fragt er. Und er verteidigt die Behörden-Mitarbeiter, von denen er einige offenbar persönlich kennt. Sie fühlten sich zu Unrecht angegriffen. Die schlechte Presse, die sie bekämen, gehe ihnen nahe. Am Ende werden die Töne wieder versöhnlicher, aber was bleibt, ist mindestens der Ärger über schlechte Kommunikation der Behörde.

Moenikes‘ Besuch bei Dobrint brachte damals kaum etwas

Zurück zu Schwabe: Dem SPD-Abgeordneten muss man zugestehen: Er prahlt nicht mit seinen Berliner Kontakten, gibt sich zurückhaltend. Dass Erwartungen leicht enttäuscht werden können, wenn Politiker vor Ort allzu großspurig die Bundespolitik ins Spiel bringen, zeigte vor Jahren der Besuch der damaligen CDU-Bürgermeisterkandidatin Nicole Moenikes mit dem Waltroper Bürger Theo Pieper beim damaligen CSU-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrint in Berlin in Sachen B 474n. Der Eindruck entstand: Durch ihren guten Draht zum Minister kommt die lange geplante Straße jetzt schneller. Tat sie nicht, wie wir heute wissen.

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