„Am Pütt“-Chef Peter Kakanowski

„Wir spüren immer diese Angst im Nacken“

Peter und Heike Kakanowski hatten voller Tatendrang im Januar 2020 die Speise-Gaststätte „Am Pütt“ eröffnet, acht Wochen später mussten sie wegen Corona schließen. Wie geht es weiter?
Endlich dürfen sie wieder ihre Gäste begrüßen: Heike und Peter Kakanowski, die die Speisegaststätte "Am Pütt" an der Tinkhofstraße 58 betreiben. © Christine Horn

Die Bindung zu den Gästen konnte das Ehepaar sehr schnell aufbauen. „Es gab damals eine Feier, da waren sogar 400 Menschen hier bei uns“, erinnert sich Peter Kakanowski. Die ersten sechs Wochen seien super gelaufen. Die Kegelbahn war ausgebucht, schon in dieser Zeit kristallisierten sich Stammkunden heraus. „Wir schmiedeten mit ihnen Pläne: Wir dachten an Tanzabende, einen Tanztee am Sonntag.“ Während der siebten Woche nach der Öffnung am 11. Januar 2020 spürte er, wie die Leute Angst bekamen. Die ersten Kegeltermine wurden abgesagt. Es ging in den ersten Lockdown, die drei Festangestellten und fünf Aushilfen gingen in Kurzarbeit.

“Glück auf” – mit diesem Gruß werden die Gäste in der Speisegaststätte “Am Pütt” begrüßt. © Christine Horn © Christine Horn

Im Mai folgte dann die gute Nachricht: Sie durften den Biergarten wieder öffnen, im Juni dann auch wieder die Gaststätte. „Da war ich dann auch zuversichtlich“, erzählt Peter Kakanowski. Der Sommer lief dann auch gut, wenngleich es natürlich Einschränkungen gab.

Die Gäste munterten das Wirte-Ehepaar auf

Als es am 1. November in den zweiten Lockdown ging, wollten ihn seine Gäste noch aufmuntern: An Weihnachten sehen wir uns wieder, sagten sie. „Mir war klar, dass wir ein halbes Jahr zumachen müssten“, erzählt Peter Kakanowski und lacht bitter darüber, dass er rückblickend leider recht behielt.

„Meine Frau war sehr traurig. Und ich war wütend“, erinnert er sich zurück. „Es ist schwer zu verstehen: Unser Saal ist so groß, da hätte man problemlos große Abstände einhalten können. Unser Hygienekonzept war sehr umfangreich. Aber die Gastronomie machte man als erste dicht und ich wusste, dass wir auch als letzte wieder würden öffnen dürfen.“ Was Peter Kakanowski besonders ärgert: „Unsere Kontaktrückverfolgungsunterlagen füllen einen ganzen Ordner. Und jetzt hörte ich, dass die gar nicht verwendet werden? Dazu fällt mir nichts mehr ein.“

Viele schlaflose Nächte

Für den Gastronom folgten zu Beginn des zweiten Lockdowns viele schlaflose Nächte. Am Ende standen zwei Entscheidungen. Zum einen: Er beantragte Soforthilfen. „Und die flossen schnell“, erzählt er. Zum anderen: Er beschloss, einen Lieferservice anzubieten. „Ich dachte mir: alles oder nichts.“ Er holte seinen Koch Michael Heidrich aus der Kurzarbeit genauso wie eine Servicekraft, die in der Küche unterstützte, die Bestellungen aufnahm. Er rührte die Werbetrommel. Und das erfolgreich: „Freitags und samstags kamen so viele Bestellungen rein, dass wir einen zweiten Ofen brauchten. Aber ist es sinnvoll, in solch Krisenzeiten zu investieren, obwohl Du Angst haben musst, dass letztlich alles umsonst ist?“, fragte er sich.

„Am Pütt“ machte sich einen Namen mit Schnitzeln. „Ich schaue mir das Schweinefleisch vorher genau an, das Gemüse kaufen wir bei Wulhorsts“, betont Peter Kakanowski die Bedeutung der Qualität seiner Speisen. Der Renner bei den Männern: Schnitzel Ruhrpott – ein Schnitzel mit Currywurst. Und das der Frauen? „Mit Frühlingszwiebeln und Sauce Hollandaise.“

Lieferservice hat den Kakanowskis den „Allerwertesten“ gerettet

Der Lieferservice war Kakanowskis Ansicht nach die beste Entscheidung, die sie treffen konnten. „Der hat uns den Allerwertesten gerettet“, sagt er unumwunden.

Jetzt, Anfang Juni, läuft der Betrieb wieder an. Während unseres Besuches ist auf der Terrasse des „Am Pütt“ einiges los. „Zum Glück“, sagt Peter Kakanowski und lässt seinen Blick schweifen – ins Grün rund um die Speisegaststätte herum. „Das ist eine grüne Oase hier“, sagt er. Und er richtet den Blick nach vorn. „Der Aspekt der Speisegaststätte ist uns sehr wichtig. Hier können die Gäste gut essen und danach bei dem einen oder anderen Getränk noch ganz in Ruhe sitzen bleiben und den Abend ausklingen lassen.“

Neu ist, dass „Am Pütt“ auch sonntags geöffnet ist. Den Lieferservice gibt es weiterhin, auch ein Partyservice wird angeboten. Dass schon jetzt ein Hochzeitstermin für das Jahr 2022 gebucht wurde, gibt ihm ein gutes Gefühl. Dass die „Großen“ während der Schließung abgesahnt haben, ärgert ihn noch heute. „Da zahlt man eine Betriebshaftpflichtversicherung, obwohl die Gaststätte geschlossen ist“, erzählt Peter Kakanowski und schüttelt abermals den Kopf.

Ob er glaubt, dass das Schlimmste überstanden sei? „Wenn es keinen weiteren Lockdown gibt, haben wir es geschafft. Dennoch spüren wir immer diese Angst im Nacken.“

Bereits am Samstag, 19. Juni, organisiert das „Am Pütt“-Team ein Biergarten-(Live)Konzert – mit Melanie Engels und Papy. Start ist um 15.30 Uhr mit der Soundcheck-Party, um 19 Uhr gibt es eine TV-Pause, da dann die deutsche Nationalelf bei der EM gegen Portugal spielt. Ab 20 Uhr startet die Restart-Party. Um Tischreservierungen wird gebeten: 02309 / 622 86 18.

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