Väter-und-Söhne-Tour

Zehnjähriger erklimmt Fünftausender in Ostanatolien

Eine Gruppe von Vätern und Söhnen aus Waltrop erklimmt einen Berg. Aber nicht irgendeinen. Sie war auf dem höchsten Berg auf dem Gebiet der Türkei.
Geschafft: Die Bergwandergruppe aus Vätern und Söhnen zeigt stolz die Deutschland- und die Waltrop-Flagge auf den Ararat. © Privat

In einer solch großen Höhe wehte wohl die Waltroper Flagge noch nie: Eine Gruppe von Vätern und Söhnen aus Waltrop und Umgebung hat sich damit ablichten lassen, nachdem sie den Berg Ararat erklommen hat. Der ist 5137 Meter hoch. Eine wahrhaft beeindruckende Leistung, erst recht für einen Zehnjährigen. So alt – oder besser: so jung – ist nämlich der Jüngste aus der Reisegruppe.

Der Reihe nach: Ivan Stukert von der Initiative „Väter & Söhne“ sitzt im Büro des „Waltroper Waschparks“. Nichts lässt vermuten, dass er eine kurze Nacht nach einer abenteuerlichen Reise hatte. Gerade erst ist er zurückgekehrt von einer Bergtour, die wahrlich nicht jeder auf seiner persönlichen „Hab ich auch schon gemacht“-Liste abhaken kann. Gemeinsam mit anderen Vätern und Söhnen hat er den ruhenden Vulkan in Ostanatolien, nahe der Grenze zu Armenien, bezwungen – den höchsten Berg auf dem Gebiet der Türkei, den Ararat.

Beziehungen stärken ist das Ziel

Die Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen zu stärken – das ist das Ziel der Initiative. Und das geschieht in Form von großen Abenteuern. Kanutouren und verschiedene Kultur- und Sportaktivitäten mögen noch einigermaßen konventionell klingen, aber Väter und Söhne aus Waltrop und Umgebung waren in vergangenen Jahren auch schon im Rahmen der Initiative auf der Zugspitze und auf dem Montblanc.

An der Halde die Treppen rauf und runter

Und jetzt eben der Ararat. Wer sich das Erklimmen dieses Berges vornimmt, sollte sich gründlich vorbereiten. „Man muss natürlich die Beine stärken“, sagt Ivan Stukert. Also ist die Truppe unter anderem an der Halde Hoheward die Treppenstufen rauf- und runtergelaufen. Und auch mit Bürgermeister Marcel Mittelbach wurde trainiert – und bei der Gelegenheit bekam die Gruppe auch die Waltrop-Flagge, die wenig später hoch oben auf einem ostanatolischen Vulkan in die Höhe gehalten werden sollte.

Höhenluft lässt sich nicht simulieren

Aber zurück zum Training. Im Kreis Recklinghausen lässt sich die Höhenluft nicht simulieren. Also bestieg die Väter-und-Söhne-Gruppe vor Ort in Ostanatolien erst einen kleineren Berg, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Dreieinhalb Tage dauert dann der Aufstieg auf den Ararat selbst, mit Pausen im Basislager auf 3200 Metern und im Hochlager auf gut 4000 Metern Höhe, wo jeweils Zelte aufgeschlagen werden. Nach einer kurzen Nacht geht es dann hinauf auf den Gipfel. Im Falle der Waltroper war das Wetter zum Glück besser als angesagt.

Pferde tragen das Gepäck

Sich einfach auf den Weg zu machen, das ist übrigens keine Option. Es braucht eine spezielle Genehmigung, man darf nur in der Gruppe hinauf und mit einem erfahrenen Bergführer. Den Bergführer, den die Gruppe aus Waltrop und der Nachbarschaft bei sich hatte, lobt Ivan Stukert in höchsten Tönen.

Und das Gepäck transportieren Pferde, für die das Erklimmen des Berges kein einmaliges Abenteuer, sondern Alltag ist.

Der jüngste Teilnehmer war Fabian (10). © Privat © Privat

Alles andere als Alltag war die Tour für den jüngsten Bergwanderer, der vom Rest der Gruppe gefeiert wurde: Fabian (10) erreichen wir am Telefon. Ob die Tour anstrengend war? Überraschende Antwort: „Am Anfang ja, am Ende nicht mehr so.“ Fabian hatte sich an die Belastung gewöhnt. Alle waren beeindruckt, wie gut der Junge, der sich sportlich als Fußballer beim VfB Waltrop betätigt, die Anstrengung gemeistert hat. Ivan Stukert macht allerdings klar: „Man muss schon vorsichtig sein. Eine solche Tour ist sicher nicht für jeden Jungen seines Alters zu empfehlen.“ Wichtig war ihm, immer wieder sicherzugehen, dass es alles Mitstreitern gut ging, auch wenn die letzten Meter sich anfühlten, „als würde man Luft in einen Reifen voller Löcher blasen.“

Ivan Stukert wünscht sich, dass es weitergeht mit neuen Aktivitäten für Väter und Söhne. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei ihm melden. Er ist zu erreichen im „Waltroper Waschpark“ an der Brambauerstraße und über Facebook.

Streit um ein Nationalsymbol

Auch wenn der Ararat heute in der Türkei liegt, ist er das Nationalsymbol der Armenier, die bis zum Völkermord an den Armeniern 1915 größtenteils in den sechs armenischen Ostprovinzen im Osmanischen Reich ihren Siedlungsraum rund um den Ararat hatten. Er ist auch im Wappen Armeniens abgebildet. Die Türkei protestierte mit dem Hinweis, dass der Berg auf türkischem Territorium liege und deshalb nicht von Armenien oder der Sowjetunion vereinnahmt werden dürfe.

Der Abend in Waltrop

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